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bees Wohnzimmer

Dienstag, November 05, 2013

Tagebuchbloggen: der fünfte November

Frau Brüllen ruft mal wieder zum Tagebuchbloggen auf. Findischgut, machischmit.

Der Tag fängt um viertel vor Weckerklingeln an, das Kind quietscht mich nämlich von der Seite an. Es ist dunkel, aber irgendwie kommt das Quietschen aus einer ungewöhnlichen Richtung. Kurzes Fuchteln Rumpatschen mit der nächstgelegenen Hand ergibt: das Kind steht fröhlich glucksend in seinem Bettchen, statt drin zu liegen. Naja, wuppe ich es eben schnell rüber, vielleicht werde ich dann nicht so doll wach und kann noch ein bißchen weiterschlafen. Pustekuchen. Das Kind fummelt mal wieder an meiner Hand rum, was mich am Schlafen hindert, weil es mich so tierisch nervt. Nehme ich die Hand weg, nervt das das Kind und es brüllt. Auch keine Lösung.

Da klingelt allerdings auch schon der Wecker des Mannes, das heißt es ist 6:15 Uhr. Ich bin ja gern versucht zu sagen "geh dran!", aber das fällt mir nie morgens ein, wenn der Wecker klingelt, sondern immer erst ne Stunde später. Gehirn auf Stand-by eben. Das Kind freut sich, daß endlich was passiert und gluckst rum. So ganz wach ist es aber auch nicht, sonst läge es nicht noch schnullernd rum. Ich versuche - wie jeden Morgen vergeblich - wenigstens noch 5 Minuten Schlaf zu erhaschen, aber der Schlaf ist schneller als ich und schon weg. Also machen wir doch mal ein bißchen Licht an. Das Kind kichert und freut sich. (Wie kann man nur zu so früher Stunde so gut drauf sein? Von mir hat es das nicht...)

Um halb 7 stehen wir dann doch endlich auf. Das Kind rennt sofort los, es will, daß die Rollläden hochgekurbelt werden. Tun wir ihm den Gefallen, muß ja eh gemacht werden. Dann noch Betten aufschütteln und das Kind rast los, raus, Welt entdecken!

Ab ins Bad, ach, da steht der Lütte. Und sein Papa. Erst mal alle Zähne putzen. Das Kindchen kaut mehr auf seiner Zahnbürste rum, aber immerhin. Solange ich die Kinderzahnpasta nicht selbst benutzen muß...

So, Jungs, ab in die Küche, frühstücken! Ich packe in der Zeit Minimeins' Rucksack (Wasserflasche, Banane, Schnuller, Puschen), ziehe mich an, nochmal Augensalbe ins Matschauge, anmalen, wo ist eigentlich meine Strickjacke?, Brot schmieren und einpacken, alle anderen Jalousien hochkurbeln und sind die immer noch am Essen? Draußen sind nur 7 Grad, da brauche ich wohl Handschuhe und das Kind erst recht. Nochmal Kind wickeln, dann Handschuhe, Mütze und Jacke dran, noch Schuhe anziehen, Rucksack aufsetzen und losschicken, hol schon mal den Fahrstuhl! Selber in Schuhe, Schal, Mantel und Handschuhe schlüpfen, Tasche und Schlüssel schnappen, den Mann samt Windelmüll zur Tür rausschieben, Licht aus, Tür zu, abschließen und los. Es ist ca. 20 nach 7, wir sind unglaublich früh dran heute. Kann auch schon mal 20 Min. später sein und dann wird es wirklich eng, vor allem in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Im Hof gehen Mann, Müll und Kind linksrum zum Müllhäuschen, ich düse rechtsrum zum Fahrradhäuschen und versuche, mein Fahrrad zu befreien. Im Augenwinkel sehe ich das Kind auf mich zustapfen. Die Fahrradbefreiung dauert länger als gedacht, es ist sehr eng hier drin und dann noch der Kindersitz hinten drauf... Ich rufe nach dem Mann, auf daß er mir helfe, aber nix passiert. Hat er mich nicht gehört? Als ich mein Rad endlich rausgebracht habe, sehe ich folgende Anzahl mir bekannter Personen: 0. Da sind die beiden doch tatsächlich aufgebrochen, ohne sich zu verabschieden. Was sind das denn für Sitten??? Muß ich später noch per Hangout monieren.

Ich radle zum Büro und bin tatsächlich erfreulich früh da (klar, ich bin früh genug losgefahren, um den auf sämtlichen Verkehrswegen wild rummäandernden Schülermassen zu entgehen), nämlich schon um viertel vor 8. Die erste bin ich allerdings nicht. Auch praktisch, aber trotzdem ist die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt. Dafür sind Kopierer und Drucker schon eingeschaltet. Während der PC hochfährt, koche ich Tee, räume die Spülmaschine aus und werfe einen Blick in meinen Postkorb. Ich arbeite so vor mich hin, als plötzlich und lautlos der neue Kollege, dem ich gestern Arbeit versprach, hinter mir steht. Jugend schleicht. Also den neuen mit Arbeit (und 10 Millionen daraus resultierenden Fragen) versorgen und weitermachen. Plötzlich ist es schon wieder 13 Uhr, ich klöppele noch schnell meine Zeiten ins Zeiterfassungssystem, Schreibtisch aufräumen, PC runterfahren, Jacke, Schal und Tasche schnappen und loslaufen. Auf der Treppe laufe ich fast den neuen Kollegen über den Haufen. Der geht aber auch wirklich leise. 

Radl aufschließen und - hm, welchen Weg fahre ich wohl am besten? Bislang konnten wir das Kind mit dem Buggy zur Tagesmutter bringen (d.h. der Mann bringt das Kind hin, ich hole es ab und der Buggy bleibt so lange dort stehen), aber im Treppenhaus bei der Tagesmutter wird renoviert und deswegen kann der Buggy dort momentan nicht stehenbleiben ("momentan" sind ab heute 4 Wochen). Deswegen müssen wir jetzt improvisieren. Der Mann bringt das Kind morgens per Bus hin. Das wäre grundsätzlich auch mittags eine Option für den Rückweg, aber ideal ist das für mich nicht, vor allem wenn wir noch schnell was einkaufen oder irgendwas auf dem Weg erledigen wollen. Also fahre ich ab heute mit dem Rad, mal sehen, wie das klappt. Immerhin scheint die Sonne - sehr novembermäßig... Ich radle an der Theresienwiese lang, da werden gerade die letzten Reste des Oktoberfestes abgebaut. Vermutlich schließt sich nahtlos der Aufbau fürs Winter-Tollwood an. Urks, Glasscherben! Aber ich konnte ausweichen, glaube ich.

Als ich endlich bei der Tagesmutter ankomme, weiß ich zumindest, welches nicht der ideale Weg ist. Das Kind freut sich, als ich es abhole, die Tagesmutter labert mir noch einen Knopp an die Backe, das Kind braucht doch noch mal dringend eine neue Windel, sonst kann ich es nicht unfallfrei nach Hause transportieren, die anderen beiden Kinder, die noch da sind, werden auch gerade abgeholt, ich mache mich mit der einen Mutter, die ich noch vom Nachschwangerschaftsyoga kenne und die auch in die gleiche Richtung muß und auch mit dem Fahrrad da ist, auf den Weg. Am Harras muß ich aber abbiegen, ich will noch beim Friseur nach einem Termin fragen. Das geht so schnell, daß ich besagte Mutter an ihrer Haustür noch mal treffe, als ich den restlichen Weg nach Hause radle. 

Zu Hause angekommen, stelle ich fest, daß wir erfreulich früh, nämlich schon um 14 Uhr, zu Hause sind. Erst mal gibts was zu essen fürs Kind. Während der junge Mann hingebungsvoll seinen Joghurt löffelt, backe ich noch schnell eine Kuchen für die Kollegen morgen (so nachträglich zum Geburtstag, es geschehen noch Teilchen und Plunder*) und räume die Spülmaschine aus (scheint das wiederkehrende Motiv zu sein heute). Dann wird das Kind abgewaschen - immerhin landet nur noch rd. ein Fünftel auf dem Kind, der Rest wird gegessen - und wir können noch ein bißchen spielen. Ein bißchen Duplo, ein bißchen Bücher angucken, den Kuchen aus dem Ofen holen und dann schon wieder anziehen und losradeln. Um 16 Uhr habe ich einen Friseurtermin bekommen, vorher will ich noch schnell zur Reinigung und zu dm. Klappt auch alles, nur das Kind hat nicht so richtig Lust. Nun ja, schaun wir mal, vielleicht hält die Laune ja noch ein bißchen.

Beim Friseur klappt es aber doch ganz gut, das Kind sitzt erst auf einem der Friseurstühle und guckt sich alles ganz genau an, bevor es anfängt rumzuturnen. Immerhin bekomme ich einen Tee, ein bißchen Smalltalk (aber nicht zu viel) und einen schicken neuen Haarschnitt, das Kind bekommt ein bißchen Entertainment, was will man mehr? Nach dem Friseur gehts noch kurz in den Edeka. Ich suche ewig nach dem Grieß, wo haben die den versteckt? Endlich finde ich einen Angestellten, den ich fragen kann. Grieß bei den Nudeln? Nun ja, beides aus Weizen, aber da wäre ich nicht drauf gekommen (klar, sonst hätte ich ihn ja selber gefunden). Bis ich das nächste Mal Grieß brauche, habe ich das aber vermutlich auch wieder vergessen.

Das hat jetzt aber alles viel länger gedauert als gedacht. Als ich endlich durch die Kasse durch bin und das Kind sowie die Einkäufe aufs Fahrrad geschnallt habe, dämmert es schon. Das Licht am Fahrrad funktioniert auch, haben wir das jetzt auch mal getestet (ich habe das Fahrrad erst seit dem Sommer, da war es immer lange hell bzw. ich nicht spät unterwegs). Endlich zu Hause ist es tatsächlich schon viertel nach 5. Ich versuche, das Kind noch ein bißchen bei Laune zu halten, aber das klappt nicht mehr so richtig gut. Also Abendessen. Eigentlich nicht vor halb sechs, aber auf die paar Minuten kommt es jetzt auch nicht an. Das Kind futtert ein Leberwurstbrot und ungefähr 15 Minitomaten. Ich bekomme trotz latenter Zahnschmerzen auch ein bißchen Brot mit lecker Aufschnitt und darf dem Kinde bei seinem Tomatenvernichtungsfeldzug zusehen. Um ungefähr 20 nach sechs hört das Kind auf zu essen. Ich bezweifle, daß es satt ist, verstehe aber auch nicht so richtig, was es jetzt eigentlich will. Wenn es wenigstens etwas mehr als "da!" und "dis!" sagen könnte... (kann es: "mmmmh" heißt muh/Kuh, "wwwwww" heißt Hund/wauwau, "gackgack!" heißt ganz allgemein Tier oder Huhn/Ente/Vogel, "fffff" heißt Pferd, "mamam" heißt Mama, allerdings selten gezielt eingesetzt, oder essen, "baba" heißt Papa und "bah!" heißt Müll. Den kompletten Rest deckt es mit "da!" und "dis!" ab.)

Jedenfalls ergeht es sich in einem Brüllanfall, weil ich nicht verstehe, was es will. Wische ich ihm halt erst mal den Tomatenschlonz vom Lätzchen. Ah, es will den Tisch abwischen. Also wischen wir den Tisch ab (muß ich später noch mal richtig machen, weil das Kind mit seinen Leberwurst-Tomaten-Fingern immer wieder auf dem Tisch rumpatscht). Hände waschen, Mund waschen, Schnoddernase abwischen, Zähne putzen, neue Windel, Schlafanzug anziehen und wieder ab ins Wohnzimmer. Noch ein bißchen Duplo spielen? (Wir haben neulich auf dem Flohmarkt eine hübsche Sammlung Duplo gefunden, die großen Anklang beim Kinde findet. Vor allem die Tiere (Schaf, Schwein, Kuh und Kälbchen, Huhn, Katze, Hahn, Ferkel, Tiger, Elefant und Elefantenbaby) findet er gut und spielt ausdauernd damit. Die Steine sind noch nicht so der Hit**, aber das kommt sicher noch.)

Nein, auch nicht Duplo. Ah, Bücher angucken. Also kuscheln wir uns aufs Sofa und gucken das Zirkusbuch und das Baustellenbuch an und dreimal das Bauernhofbuch mit den vielen Türchen. Letzteres ist aus der Bücherei, momentan aber der große Renner hier. So richtig ist der kleine aber nicht mehr bei der Sache. Es ist zwar noch nicht 7, aber auf die Viertelstunde kommt es jetzt auch nicht mehr an (je eher das Kind im Bett ist, desto eher ist es auch wieder wach. Ich könnte es auch um 18 Uhr ins Bett stecken, aber dann wäre es spätestens um 5 Uhr wieder wach und wer will das schon? Vor 7 ins Bett ist also keine richtige Option). Also schlage ich vor, ins Bett zum Schlafen zu gehen. Das Kind springt sofort auf, winkt, und rennt ins Schlafzimmer. Nun, immerhin war das heute das einzige, was ich nicht 17x wiederholen muß.

Das Kind schläft relativ schnell ein und wenn ich hier jetzt liegen bleiben würde, würde ich wahrscheinlich auch gleich tief und fest schlafen. Grundsätzlich wäre es eine Option... Aber um viertel nach 7 stehe ich doch wieder auf. Ich will noch duschen, die ganzen feinen Härchen nach dem Friseurbesuch, die trotz Föhnens noch da sind, abwaschen. Vorher sammle ich noch schnell die rumliegenden Bücher ein und die Bauklötze und Tiere. Als ich grad in die Dusche steigen will, kommt der Mann nach Hause. Nanu, so früh schon? Ah, ok, er muß noch was machen. Naja, soll er.

Als ich aus der Dusche komme, sitzt der Mann am Küchentisch, ißt und liest Lucky Luke. Fachliteraturstudium? Ich nehme noch eine Ladung Wäsche ab, lege sie zusammen und räume sie weg. Die Bettwäsche bleibt noch einen Tag hängen, die ist noch nicht richtig trocken. Es bleibt also bei der Flaggenparade im Wohnzimmer.

Tagesschau, two and a half men und dabei noch ein bißchen*** ins Internet schreiben, vielleicht noch ein paar Maschen stricken und dann irgendwann schlafen gehen.

Insgesamt ein sehr unspektakulärer Tag, aber wenigstens mal nicht besonders anstrengend. Und unspektakulär muß ja nicht gleich schlecht sein, im Gegenteil.

Hier ist der fünfte Oktober.

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* Den Spruch mit dem Plunder habe ich in einer der Oktober-Twitterlieblinge gefunden und fand ihn gleich großartig. Jetzt plundern die Teilchen den ganzen Tag in meinem Kopf rum und wollen raus.

** Jedenfalls noch nicht beim Kind. Beim Vater finden sie großen Anklang. ;-)

*** muahaha. Kurz fassen für Anfänger, oder was?

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