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bees Wohnzimmer

Dienstag, Juli 11, 2017

Sendepause mit Leseempfehlung

Hier herrscht ja schon seit ein paar Monaten Sendepause. Das liegt daran, daß hier im echten Leben grad viel passiert, was noch nicht spruchreif ist. Als kleiner Teaser könnte ich vielleicht diesen Hinweis loswerden: ich weite meine bisherige Tätigkeit aus*. Also demnächst wieder auf diesem Kanal...

Für die Zwischenzeit noch interessantes zum Lesen (und das ist sicher mehr als nur Überbrückungsmusik):

Was aber durchaus lesenswert ist, ist dieser Artikel hier von glücklich scheitern. Es geht um Familienmanagement und "mental load", also dem permanenten Film, der im gedanklichen Hintergrund läuft.

Zum Thema "mental load" gibt es diesen sehr lesenswerten Comic (auch wenn er sehr lang ist). Wie gut ich das kenne... *seufz* (auch wenn mir schon mal anhören mußte, ich säße ja nur rum.**)

Und weil den Frauen ja gern vorgeworfen wird, daß sie alle mit den Kindern und dem Haushalt zusammenhängenden Arbeiten/Aufgaben an sich reißen und dem Mann gar nichts mehr zutrauen, weil er weniger Erfahrung hat und der sich deshalb zurückzieht, dem sei dieser lesenswerte Artikel (von einem Mann geschrieben) ans Herz gelegt. 

Zum gleichen Thema hat sich dasnuf auch - schon vor längerer Zeit, nicht objektiv und meines Erachtens auch unsauber hinsichtlich des Begriffs "Maternal Gatekeeping" - ausgelassen, aber trotz all meiner Kritikpunkte an dem gesamten Artikel, finde ich, daß das dasnuf es an dieser Stelle wunderbar auf den Punkt gebracht hat:
Immer sind die Frauen schuld. Immer. Selbst wenn es um mangelnde Beteiligung der Männer geht. Da sind es nicht die Männer oder Väter, nein! Da sind es die Gatekeeping Mothers. Wenn die nämlich nicht so gierig nach vollgekackten Windeln, stundenlangem Warten beim Notarzt und nach Küche putzen wären, ja dann, dann würden die Papas sich auch beteiligen. So ist das nämlich!
Und wer sich immer noch fragt, was frau ("man" ist es ja so gut wie nie) eigentlich den ganzen Tag macht, liest entweder hier oder hier. Rumsitzen jedenfalls nicht.

Wie immer gilt natürlich: erst denken, dann sprechen. Oder etwas plakativer: Vor Gebrauch schütteln.

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* nein, NICHT schwanger!

** Was natürlich nicht stimmt. Ich stehe und laufe auch. Und in ganz extremen Fällen - nachts - liege ich sogar. Skandal.

Samstag, März 25, 2017

Jetzt näht sie auch noch

Wie jetzt? Das auch noch?

Ja, das auch noch. Vor nicht allzulanger Zeit sagte ich noch, daß ich zwar gern nähen könnte, aber nicht den Nerv hätte, es zu lernen. Dann allerdings habe ich mir überlegt, daß es doch ganz nett wäre, den Kindern wenigstens ein Sommermützchen und ein T-Shirt machen zu können, das ist gestrickt ja doch etwas zu warm.

Folglich habe ich mir letztes Jahr zum Geburtstag einen Nähkurs gewünscht und - zwar mit Umwegen, aber letztlich dann doch - sogar bekommen.

Nun lag der Gutschein hier rum und ich hatte erst mal keine konkrete Idee, mit der ich einen Nähkurs hätte buchen wollen. Eine Kindermütze erschien mir für einen Kursabend dann doch ein bißchen zu knapp. Also blieb der Gutschein doch erst mal liegen.

Die DIY-Messe


Es ward November, Dezember, Weihnachten. Januar und Februar gingen ebenfalls geprägt von Kindkrank und drei vollen Wochen Kindergarten-Notbetrieb wegen Erzieherinnenallekrank ins Land. Anfang März erfuhr ich zufällig, daß in Braunschweig eine DIY-Verbraucher-Messe namens 'handmade' stattfinden sollte, also eine Menge Aussteller zum Thema Nähen, Stricken, Häkeln, Selbermachen, Deko und sonstiges Gedöns. (Früher hieß 'do it yourself' einfach Handarbeiten oder Heimwerken und hatte - ob nun zu Recht oder nicht - größtenteils ein recht angestaubtes Image.)

Ich habe dann eine Mutter, die ich aus dem Kindergarten kenne und von der ich weiß, daß sie gern und viel näht, angesprochen, ob sie nicht Lust hätte, dorthin zu fahren. Sie hatte auch schon davon gehört, wollte auch nicht alleine hin und war ganz angetan von meinem Vorschlag. Und so sind wir dann tatsächlich nach Braunschweig gefahren (viele Baustellen dort) und haben uns dort umgesehen. Ich wollte eigentlich eher an den Wollständen mal gucken, aber die meisten waren dann doch vielfach mit 08/15-Ware ausgestattet, die ich auch im hiesigen Ladengeschäft bekomme (oder ohne großen Aufwand irgendwoanders hier in der Nähe), so daß hier das angestaubte Image des Strickens leider durchaus bestätigt wurde. Handfärbereien waren zwar auch vertreten, aber eher dünn gesät. 

So kam es, daß ich mich doch mehr fürs Nähen bzw. für Stoffe interessiert habe als ursprünglich vorgesehen. Aber man ist ja flexibel, muahaha.

Ein bißchen was habe ich dann doch gekauft, sogar mit einem (eigentlich sogar zwei) einigermaßen konkreten Projekt(en) im Hinterkopf (das ist bei Wolle nicht zwingend der Fall, da findet bei mir eher mal das Garn zur Anleitung als umgekehrt).

Meine Nähmaschine


In der darauffolgenden Woche habe ich dann meine alte Nähmaschine vom Dachboden geholt. Die habe ich mal Anfang der 90er (so etwa zu Konfirmationszeiten) zu Weihnachten bekommen. Das Modell ist von Eduscho (kennt ja heute auch keiner mehr, seit die in Tchibo aufgegangen sind), also total no-name, Support und Zubehör gibts natürlich nicht mehr, also hoffen wir mal, daß alles noch eine Weile hält. Das Gerät habe ich entstaubt, endlich mal die Anleitung gelesen (hat man mit 14 ja auch eher nicht nötig), überrascht festgestellt, daß die grundsätzlich von der Ausstattung und den enthaltenen Stichen gar nicht mal so schlecht ist und nähen tut sie auch noch. Zwar laut, aber es kommt eine Naht dabei raus. Und ein paar Stretchstiche sind auch dabei, das brauchte man damals nur für Unter- und Nachtwäsche (sagt die Anleitung).


Ich habe damals, als ich die Maschine geschenkt bekam, zwar mal einen VHS-Kurs belegt, um Nähen zu lernen, aber so richtig viel hängengeblieben ist da nicht. Wir haben in dem Kurs einen Kissenbezug genäht (den ich sogar noch habe, wenn ich mich richtig erinnere, vielleicht ist es aber auch schon das Nachfolgemodell) mit Reißverschluss, wobei ich letzteres als nahezu Hexenwerk in Erinnerung habe (ist es überhaupt nicht, wie ich inzwischen weiß). Dann habe ich während der Lehre mal eine Tischdecke mit Schrägband versehen, während des Studiums noch zwei oder drei weitere Kissenbezüge und Tischdecken genäht und mal die ein oder andere Gardine gekürzt (bzw. Raffrollo angefangen und nie fertiggestellt). Das wars. 

Damals waren Stoffläden allerdings auch weniger Dienstleister, als sie es heute sind (mit Näh- und sonstigen Kursen und offen für Fragen aller Art), als mehr heilige Hallen für Eingeweihte und Könner. Der seit etwa 10 Jahren anhaltende DIY-Trend hat da durchaus vieles zum besseren verändert. Aber Jersey (also stretchiger Stoff) vernähte man damals tatsächlich eher zu Unterwäsche als daß man es für Oberbekleidung verwendete, das ist ja heute auch ziemlich anders. Und es gibt viel schönere Stoffe als damals.

Beim Saubermachen der Maschine fiel dann ein - nicht unwesentliches - Teil einfach mal ab. ich habe es provisorisch fixieren können, aber eine Dauerlösung ist es nicht. Naja, mal abwarten, wie lange es hält (denn nichts bleibt länger als ein Provisorium).

Fachliteratur oder: Lesen, lesen, lesen


Ich bin ja bekennender Leser und Freund von Fachliteratur, weshalb ich mich zunächst mal quer durchs Internet gelesen habe und ziemlich schnell auf einer großartigen Seite für Einsteiger und Nähanfänger gelandet bin: pattydoo. Dort werden zwar zum einen Schnitte/Anleitungen verkauft, aber auch in wirklich gut verständlichen und vor allem professionellen Videos die Anleitung sozusagen vorgetanzt. Das sieht alles dermaßen einfach und federleicht aus, daß man sofort loslegen möchte, wenn man das notwendige Material zur Hand hat. Und die Schneiderin ist wirklich erfreulich professionell, verwendet nicht zu viele Füllwörter, erklärt das wesentliche, weist auf wichtiges hin an der Stelle, an der es gebraucht wird und nicht irgendwo an anderer Stelle, und wirkt dabei auch noch sehr natürlich und sympathisch. (Um mal die Kehrseite zu nennen: bei vielen selbstgedrehten Youtube-Videos kommt man ja aus dem Fremdschäden kaum raus oder fragt sich, ob noch mal irgendwann irgendwas wesentliches ge- bzw. erklärt wird.)

Irgendwo im verstaubten Archiv meines Gehirns meldete sich dann der totgeglaubte Archivar zu Wort und vermeldete den Bestand eines Nähbuches im heimischen Bücherregal. Das Werk fand sich erstaunlich schnell, ist allerdings auch aus den frühen 90ern. Damals trug man noch Bundfaltenhosen in Karottenform, Schulterpolster allerorten, Faltenröcke werden auch ausführlich erläutert und Stretch wird zwar genannt, aber eher unter ferner liefen (Unterwäsche). 25 Jahre alt halt. So Sachen wie Kunstleder, Wachstuch, Segeltuch oder ähnliches waren auch noch der Industrienäherei vorbehalten. Also eher altbacken. Vermutlich gar nicht mal so schlecht, aber noch staubtrockener als das Umsatzsteuergesetz. Ich bin leider schon vor Seite 30 vor Langeweile verstorben.

Mein nächster Schritt führte mich dann in die Bücherei, aus der ich mir dann das "Standardwerk Nähen" ausgeliehen habe. Das habe ich auch fürs Stricken und finde es dort - zum Nachschlagen - auch ziemlich gut. Das Nähbuch habe ich mir dann zur Hälfte durchgelesen und fand es gut aufgemacht, größtenteils verständlich (manches versteht man ja erst beim Nachmachen oder braucht es nie), sehr gut strukturiert, mit vielen Bildern, die auch Anfängern den Einstieg erleichtern und einer DVD dabei (die ich allerdings noch nicht getestet habe, mein Rechner hat kein CD-/DVD-Laufwerk mehr). Jetzt müßte ich mal die zweite Hälfte lesen.

Die ersten Schritte


Danach fühlte ich mich theoretisch gut gerüstet und habe einfach mal mit einem kostenlos im Netz verfügbaren Schnitt losgelegt. Allerdings erst mal doch noch nicht mit Jersey (wo ich eigentlich hin will), sondern erstmal mit einem Fundstück aus dem Bestand (längere Geschichte) und auf der Messe neu erworbenem Wachstuch (also eigentlich dünner als Wachstuch, nämlich beschichtete Baumwolle).

Stolz wie Bolle (obwohl natürlich noch fehlerbehaftet und die ganzen schlauen Sachen hatte ich in der Praxis dann doch wieder größtenteils vergessen) kann ich ein Utensilo präsentieren. Also so ein Gedöns-Körbchen. Momentan bewahre ich mein aktuelles Strickprojekt (das wegen der Näherei jetzt natürlich liegt und liegt und nicht fertig wird) darin auf.


Mein nächstes Projekt sollte ein Nadelkissen werden und wurde eher ein großes Scheitern. Es ist eine Mischung aus Igel und Schwein und die Kinder spielen jetzt damit. Als Nadelkissen war es einfach nicht geeignet (viel zu groß, hätte ich beim Nähen schon merken müssen), die Anleitung war aus einem Buch für Anfänger und hat doch irgendwie für mich als Anfänger wesentliche Informationen nicht enthalten.

Aber was beim Nähen tatsächlich viel schneller geht, ist der Weg von der Anleitung zum fertigen Objekt: instant gratification. Beim Stricken dauert es selbst mit Turbonadeln viel länger, bis mal was fertig ist (das ist eher Yoga fürs Gehirn). Beim Nähen reichen oft schon ein paar Stunden. Andererseits ist es beim Stricken nicht sooo tragisch, wenn man mal Murks macht. Im Zweifel ribbelt man es wieder auf und strickt neu. Beim Nähen ist halt im Zweifel das Material verloren.

Danach habe ich mich dann erstmal - back to the roots - auf Kissenbezüge gestürzt und beiden Kindern jeweils einen gemacht.

Minimeins wollte rot und blau und bekam es.




Rakete hat natürlich noch keine konkreten Wünsche geäußert, ich fand diesen Affenstoff, befand ihn so passend wie die Faust aufs Auge, und kombinierte fröhlich dazu.



Die sind eigentlich ganz gut gelungen, nur das mit den ganz geraden und exakten Nähten muß ich nochmal üben (Vorschläge zum Üben hab ich auch schon gefunden). Die Kinder stört es nicht.

Dann habe ich - im Rausch der Nadel sozusagen - mich auch endlich an Jersey gewagt, obwohl der Stoff ein viel eigenwilligeres Verhalten an den Tag legt, als akkurat zugeschnittene und gebügelte Baumwolle.

Heraus kamen Mützen für die Kinder, einmal als Beanie für Minimeins,



und einmal als Zipfel-Knoten-Mütze für Rakete.


Das Bündchen ist recht stramm und die rote Farbe steht Rakete mit seinen rötlichen Haaren eher nicht so gut, daher werde ich das vielleicht besser doch noch mal neumachen.

Die Stretchnähte sehen noch krumm und schief aus. Ich weiß nicht genau, ob es an meinen noch mangelhaften Fähigkeiten oder der Nähmaschine oder an der unglücklichen Kombination beider Zustände liegt. Allerdings liegen die Nähte ja innen und sind somit unsichtbar, also stört es mich erst mal nicht, auch wenn mein immanenter Perfektionismus, den ich ja auch gern beim Stricken an den Tag lege, gelegentlich ein bißchen stichelt.

Danach hab ich wieder zwei Murksprojekte fabriziert: ein weiterer Nadelkissenversuch (auch die falsche Größe, daher in den Kuscheltierfundus der Kinder gewandert) und eine Handyhülle: beim ersten Versuch habe ich das Innenfutter falsch zugeschnitten und zusammengenäht, so daß es dann letztlich doch nur eine (immerhin hübsche) Taschentücherverpackung geworden ist, und beim zweiten Versuch habe ich so viel Murks gemacht, daß das entstandene Täschchen eher schief ist, die Nähte nicht gut aufeinanderpassen und das Innenfutter teilweise auf links, teilweise auf rechts ist (immerhin nur innen, nicht außen). Außerdem habe ich versehentlich den Klettverschluß angesengt.

Vertrauen in meine Fähigkeiten


Minimeins fragte dann nach Fertigstellung der Mützen, ob ich nun endlich richtig nähen könnte. Bislang mußte ich ihn da ja leider immer vertrösten, so auch dieses Mal wieder. Ich habe ihm ehrlich geantwortet, daß ich schon noch ganz schön viel üben müßte, bis ich endlich was richtig tolles zustande bringen könnte. Daraufhin sagte Minimeins ganz trocken:

Mama, dann näh mir doch einfach erstmal Unterwäsche. Die sieht man ja nicht.

Danke auch. Gelegentlich ist er ja doch recht pragmatisch veranlagt.

Also machte ich mich auf die Suche, ward fündig, bezweifelte die angegebenen Schnittmaße, probierte mit einem aussortierten T-Shirt des Gatten, fand meine Größenzweifel bestätigt (oder ich habe wieder irgendein wesentliches Detail nicht gesehen oder es ward nicht genannt: Naht- und Saumzugaben zum Beispiel), suchte weiter und ward wieder fündig. So schwierig und vor allem abwegig scheint das Projekt Unterwäsche gar nicht zu sein. Allerdings haben Minimeins und ich uns erst mal auf einen Schlafanzug geeinigt, nachdem ich dieses Jersey-Stöffchen im Stoffladen in Langenhagen gefunden habe:


Minimeins ist begeistert, einen Schlafanzug in der kommenden Größe (122/128) braucht er eh, bislang hat er genau einen in dieser Größe und den werde ich zum Maße überprüfen auch immer wieder heranziehen. Jetzt brauche ich nur noch einen vernünftigen Schnitt, den muß ich mir noch ergoogeln. Sollte aber nicht so schwierig zu finden sein.

Aus den Resten fällt dann entweder noch ein T-Shirt für Rakete ab oder tatsächlich die gewünschte Unterwäsche für Minimeins, falls das - Schlafanzug und Unterwäsche komplett aus demselben Stoff - dann nicht doch ein bißchen zuviel Einheitsbrei ist. Mal sehen.

Jedenfalls glaube ich, daß das alles nicht so schwierig sein kann. Bei Pattydoo sieht das ja auch alles ganz federleicht aus. Ich werde das schon hinkriegen.

Viel Theorie, wenig Praxis: die Sache mit dem Material


Viel umgesetzt habe ich noch nicht, aber plötzlich 100 Ideen im Kopf. Oder 1.000. Viele jedenfalls. In kurzen Momenten des Größenwahns (meistens zwischen 4 und 6 Uhr am Morgen, aber Tageslicht hilft dann wieder bei der Realitätsfindung) sehe ich mich schon meine komplette Familie selbst einkleiden. Wenigstens die Kinder, die freuen sich momentan noch drüber (das wird sich leider wohl auch irgendwann geben, hab ich gehört) und irgendwann vielleicht auch in Teilen mich selbst. Und nein, zum Hosen kürzen mag ich mich immer noch nicht aufraffen, vielleicht irgendwann in (ferner) Zukunft mal. Oder auch nicht, denn die Schneiderin hier um die Ecke macht das sehr gut und verhältnismäßig günstig.

In der Bücherei fanden sich natürlich noch weitere Bücher, teilweise auch anfängergeeignet. Da habe ich mir erst mal ein paar Sachen ausgeliehen und sogar ein paar nette Sächelchen in den Büchern gefunden. Was die Sache mit den 1.000 Ideen nicht gerade übersichtlicher gestaltet...

Allerdings ist die Einstiegshürde beim Nähen eine ganze Ecke größer als beim Stricken, finde ich. Braucht man für letzteres zum Starten erst mal nur ein paar Nadeln, ein Knäuel Wolle und eine passende Anleitung (letztere oft auch kostenlos auffindbar) und etwas Zeit, so daß man mit ein paar Euro Wareneinsatz dabei ist. Beim Nähen braucht man natürlich erstmal eine Nähmaschine (die jetzt mal zufällig vorhanden war), dann natürlich Stoff, die passenden Nadeln für die Nähmaschine, das farblich passende Garn, anderen Stoff für das Bündchen, ggf. ein passendes Gummiband, eine Anleitung. Was nicht fehlen darf, ist auch weiteres Werkzeug: eine Stoffschere (Papierschere reicht nicht, das ist kein Vergnügen beim Stoffschneiden und da muß man halt schon etwas genauer arbeiten), eine Papierschere für den Schnitt, Maßband, Stecknadeln, Bügeleisen (wobei ich das größtenteils mal als vorhanden voraussetze), evtl. ein langes Lineal und Geodreieck, einen geeigneten Stift, um das ganze vom Papier auf den Stoff zu bringen und der hinterher trotzdem nicht (mehr) sichtbar ist und - leider ganz wichtig - einen Nahttrenner. Den hab ich schon oft gebraucht...

Dann bleiben natürlich Reste übrig, die wiederum zu etwas anderem verarbeitet werden wollen, wozu man dann wieder weiteres Material braucht (anderes Gummiband, anderes Nähgarn, anderes Bündchen, vielleicht Klettband, Knöpfe oder Reißverschlüsse oder noch ganz andere verrückte Sachen, verschiedene Vliese bzw. Einlagen... (gut, das ist beim Stricken ja ähnlich: Projekte ziehen Reste nach sich, die wiederum Reste mit sich bringen, die zu etwas neuem werden wollen... jedenfalls irgendwann.)

Ich habe inzwischen so dieses oder jenes angeschafft und dafür letztens sogar extra eine Bestellung bei Buttinette abgesetzt. Ursprünglich wollte ich nur einen Rollschneider erwerben, um damit Jersey besser zuschneiden zu können, Jersey rollt sich nämlich an den Seiten immer so ein, daß ich mich ein wenig schwer tat mit dem akkuraten Zuschnitt. Ein Rollschneider ist sozusagen ein Teppichmesser, nur eben mit runder Klinge. Zum Rollschneider braucht man aber auch noch eine Rollschneidermatte, damit man sich nicht den Tisch zersägt und am besten noch ein Rollschneiderlineal für die Schnittführung. Also ab in den Warenkorb damit. Nähgarn brauchte ich auch noch in den gängigen Farben (weiß war alle und ansonsten habe ich primär türkis aus einem unbekannten Jahr da - also eher alt und damit vermutlich schon etwas gebrechlich), dann reichte der blaue Bauarbeiter-Jersey nicht mehr für ein ganzes T-Shirt für Rakete, also noch etwas unifarbenen Jersey dazu, dann noch Bündchenware für die Mütze von Rakete als Ersatz für das ihm nicht gut zu Gesicht stehende rote, etwas Nähmaschinenöl, Vlies brauche ich auch noch, einen Kreidestift, klickklickklick, ups, ganz schön teure Bestellung, aber hm naja...

Heute kam dann endlich das ersehnte Paket (nachdem ich gestern noch mal in Langenhagen in der Restekiste ein paar hübsche Stücke gefunden habe - hingefahren war ich primär wegen des Sch(l)afanzugstöffchens und Bündchenstoffes für Minimeins und des Wachstuches für den werten Gatten, der sich zum Geburtstag ein Täschchen für sein Gedöns (Maus, USB-Kabel, Freisprech-Ohr-Dings, Türkarten, ein, zwei Stifte...) wünscht, ach ja, eine Zwillingsnadel für Jersey wollte ich auch noch haben und etwas Schrägband für Raketes Wimpelkette und meine Füllwatte war auch alle), wo war ich, ach ja, das Paket. Das landete dann erst mal bei den Nachbarn, die waren nicht da, als ich es abholen wollte, also mußte ich warten - argh! Als ich es endlich, endlich in den Händen hielt und Minimeins beim Auspacken half, mußte ich feststellen, daß ich bei meiner Rollschneider-und-sonstiges-Bestellung den Rollschneider zu bestellen vergessen hatte. Kopf -> Tisch. Hätte ich doch gestern im Laden einen mitnehmen sollen... (und Ersatzklingen)

Naja, Montag dann. Bis dahin ist auch der neu erworbene Jersey gewaschen und gebügelt und dann kann ich losschnitzen. *Händereibgeräusch*

Pläne, Pläne, Pläne - und der Kurs?


Womit will ich denn eigentlich anfangen, loslegen, weitermachen?

- eine Tasche, wie vielfach geraten für den Anfang, nur brauche ich eigentlich gar keine, Material hätte ich aber vermutlich in ausreichender Menge da
- oder noch ein - etwas anderes als das erste - Utensilo (für wen?)
- das Täschchen für den Gatten (Material ist vorhanden und es muß bis in vier Wochen fertig sein)
- Schlafanzug für Minimeins (Material ist da und sollte auch bis in vier Wochen fertig sein)
- 1-2-3 Oberteile für Rakete (Material ist reichlich da, für mindestens zwei, eher drei Stück reicht die Auswahl sicher)
- neues Bündchen für Raketes Mütze (schnell gemacht)
- Naht an Minimeins' Mütze reparieren, da ist eine nicht gut gesichert gewesen (noch schneller gemacht)
- meine löchrigen T-Shirts mittels Applikationen reparieren (Material ist da, ich hab nur noch keine konkrete Idee, wie ich das umsetze)
- eine Turnhose für mich (die ich für meine Mutter-Kind-Kur in vier Wochen brauchen werde, allerdings habe ich dafür (noch) kein Material)
- einen Rock für mich aus dem Material von der handmade-Messe und etwas weiterem, den ich inzwischen erwarb
- oder irgendeine andere der 1.000 Ideen, die ich in den vielen ausgeliehen Büchern gefunden habe, aber dafür muß ich vielleicht doch noch ein bißchen üben, was mich wieder zu der eingangs gestellten Frage führt: was denn eigentlich zuerst?

Übrigens habe ich mich dann tatsächlich direkt nach dem Besuch der handmade-Messe für einen Nähkurs im hiesigen Laden angemeldet, um meinen Gutschein endlich umzusetzen. Der nächste freie Termin ist allerdings erst in vier Wochen. Ich bin vor knapp drei Wochen einfach mal in den Laden spaziert und habe gefragt, was denn so als anfängergeeignetes Projekt für den ersten Jersey-Nähkurs geeignet wäre. Die Ladeninhaberin (und Kursleiterin) hat vorgeschlagen, eine Mütze (für Minimeins) und eine Pumphose (für Rakete) zu machen. Das sollte wohl innerhalb eines Abends machbar sein. Vermutlich hab ich - weil zwischen Anmeldung und Kurstermin so viele Wochen liegen (sieben!) - das bis dahin dann alles schon selbst getestet, aber es schadet sicher nicht, dafür auch mal fachliche Anleitung zu bekommen. 

Für einen zweiten Kursabend habe ich mich auch schon angemeldet, allerdings ist der erst im Juni, vorher passte es irgendwie nicht. Mal sehen, was ich dann in Angriff nehme. Vielleicht ein T-Shirt, was die Kursleiterin für den ersten Termin noch etwas überambitioniert fand. Nun, sehen wir mal. Vermutlich hat sie recht, aber das werde ich dann ja im Laufe der nächsten Wochen sehen.

Momentan weiß ich noch nicht so recht, ob ich wirklich ernsthaft in die Näherei einsteige (und mir dann möööööglicherweise auch irgendwann eine andere Nähmaschine zulege, aber wer weiß, welche Fähigkeiten die alte Maschine bislang noch so vor mir versteckt hält - und ich vor ihr), aber vielleicht liegts auch am bislang nicht so richtig tollen Werkzeug und meinen noch ganz am Anfang stehenden Fähigkeiten, daß es mich noch nicht ganz so gepackt hat wie das Stricken. 

Allerdings fühlt sich das Stricken auch gerade ein bißchen an wie durchgespielt, lässt sich aber natürlich immer noch prima irgendwohin mitnehmen (Auto- und Zugfahrten zum Beispiel oder Besuche bei den (Schwieger-)Eltern drängen sich da geradezu auf). Außerdem habe ich hier ja auch wirklich mit Basics angefangen und mich langsam zu den anspruchsvolleren Dingen vorgearbeitet. 

Und dann sind da ja die 1.000 Ideen, die in meinem Kopf rumspuken (vielleicht sollte ich sie mal zu Papier oder zumindest auf einen elektronischen Notizzettel bringen, um ein wenig Ordnung in die 1.000 Ideen zu bekommen), die mich dann doch wieder in große Nählust verfallen lassen. Hm. Ich verfolge das jetzt erst mal noch ein bißchen weiter und dann werd ich das schon rausfinden. Bislang bin ich eigentlich überwiegend angetan (nur, wenn ich mal wieder Murks fabriziere, dann ist das sehr enttäuschend und in der Hinsicht bin ich grad etwas anfällig).

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Mittwoch, März 08, 2017

Volksweisen im Wandel der Zeit

Minimeins bringt natürlich allerlei Wortschatz und Liedgut aus dem Kindergarten nach Hause. Immerhin nicht zu schlimme Schimpfwörter (jedenfalls im Vergleich zum hiesigen kirchlichen Kindergarten - da lernen die Kinder wirklich heftige Sachen).

Wir haben damals "Alle Jahre wieder" neu betextet, in sämtliche denkbare (und auch undenkbare) Formen. Und jahreszeitenunabhängig. Selbstredend.

Minimeins bringt sowohl umgetextete Lieder als auch kleine Gedichte mit und trägt sie dann vor. Sie entbehren nicht einer gewissen Morbidität. Naja, vielleicht findet er dann auch dermaleinst Loriots 'Mörderischer Advent' gut. Ich vermute allerdings stark, daß die älteren Geschwister anderer Kinder auch einen nicht unerheblichen Anteil am "Liedgut" haben.

Hier eine kleine Kostprobe aus seinem Repertoire.

24 Handgranaten
flogen über’n Kindergarten.
Opa schießt sie alle tot,
Oma sagt: „Du Vollidiot.“

Alle meine Entchen
fahren Motorboot,
fahren Motorboot.
Fahren 180,
waren alle tot.

Schneller, Propeller,
die Oma fliegt in’n Keller,
der Opa hinterher
mit dem Schießgewehr.

Drei Chinesen mit dem Monstertruck
saßen auf der Straße und erzählten sich was.
Da kam die Polizei: „Ja, das ist ja krass!“
Drei Chinesen mit dem Monstertruck.

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Mittwoch, Februar 01, 2017

Brechen, brach, gebrochen

Disclaimer: der Inhalt ist ein bißchen eklig, wer sowas nicht abkann, möge den heutigen Beitrag überspringen.

Was ist eigentlich aus der Rückgabe des Kindersitzes geworden?

Ja, eigentlich hätte ich den abends noch zurückbringen können, aber Rakete hätte Zeter und Mordio gebrüllt, wäre ich ohne ihn gegangen. Mitnehmen wollte ich ihn nicht (anziehen, ausziehen etc.) und später, als er im Bett war, war die Nachbarin nicht da (das wußte ich zufällig).

Am nächsten Morgen habe ich pünktlich um 8:30 Uhr Minimeins im Kindergarten abgeliefert und bin mit Rakete weitergefahren zum Markt. Rakete hatte vormittags einen Termin für die Vorsorgeuntersuchung zum 2. Geburtstag, deswegen ist er nicht im Kindergarten gewesen. Vom Markt zurück wollte ich der Nachbarin gern ihren Sitz zurückgeben, aber ihre Jalousien waren noch unten. Wecken wollte ich sie nicht, den Sitz aber auch nicht einfach so vor die Tür legen. Also vertagt (bzw. verstundet).

Dann bin ich mit Rakete auf 9:30 Uhr zum TÜV Kinderarzt gefahren (kurz zusammengefasst: er hat den Stempel gekriegt und darf ein weiteres Jahr fahren), dort hat man mir nahegelegt, ihm zügig den Schnuller abzugewöhnen (zumindest tagsüber), das habe ich versucht, gleich in die Tat umzusetzen (ich hätte jetzt noch ein bißchen gewartet, weil Minimeins auch bis ca. 3 Jahre seinen Schnulli hatte, zwar tagsüber nur noch ab und zu, aber er war trotzdem heißgeliebt - allerdings hatte ich nicht bedacht, daß Minimeins auch wesentlich später als Rakete Zähne bekommen hat). Also Rückweg vom Kinderarzt ohne Schnuller. Das Kind brüllt Zeter und Mordio, während ich im Ort rote Welle habe (es sind nur 4 Ampeln auf der Strecke, aber alle sind rot). Zuhause beruhigt er sich ein bißchen, auch weil er seinen Schnulli dort 'wiedergefunden' hat (ich war zu langsam). Inzwischen ist es knapp 11 Uhr.

Ich überlege, der Nachbarin grad ihren Sitz wieder zurückzugeben, als das Telefon klingelt und der Kindergarten dran ist. Minimeins ginge es nicht so gut, ob ich ihn wohl recht schnell abholen könnte. Er hätte gebrochen und wäre jetzt umgezogen, hätte aber keine Strumpfhose, sondern nur Strümpfe an, ob ich entweder eine mitbringen oder mit dem Auto kommen könnte.

Also Rakete wieder angezogen, ins Auto gesteckt (Anschnallballett!), 400m zum Kindergarten gefahren*, Abschnallballett, mit Rakete in den Kindergarten und dort wurde ich auch schon mehrstimmig von Kindern aus Minimeins' Gruppe begrüßt: "Minimeins hat gekotzt! Voll viel, ey! Das war echt eklig!" Ich mußte ein bißchen lachen (und war den Leuten, die das schon wieder weggemacht hatten, sehr dankbar). Minimeins hat sich ausnahmsweise gefreut, daß ich kam (sonst will er ja beim Abholen immer noch weiterspielen, aber er war diesmal doch etwas mitgenommen), hatte seltsame Kleidung an (teilweise seine eigenen Wechselsachen, teilweise Kindergartenzeug) und kam auch gleich mit. Also schnell angezogen, bevor Rakete wieder mal abhauen konnte, beide Kinder ins Auto gestopft, nach Hause gefahren. Minimeins sagte, es gehe ihm schon viel besser, aber er wollte sich lieber auf dem Sofa noch ein bißchen ausruhen.

Als ich das Auto geparkt hatte, fiel mir ein, daß es mit Kotzkind sinnvoll sein könnte, Zwieback im Haus zu haben. Unseres war aber alle (der Mann hatte am Wochenende zuvor irgendein Leiden, das Zwiebackernährung erforderte - das Leiden Christi hat zwischendurch schon nach einem Ausbildungsplatz gefragt...), also habe ich spontan beschlossen, daß wir noch schnell welches einkaufen. Da ich Minimeins nicht allein zu Hause lassen wollte, sind wir alle zusammen zum Edeka gefahren. Kaum hatte ich dort geparkt, fiel mir auf, daß ich beim Haus verlassen außer dem Schlüssel nichts mitgenommen hatte - vor allem kein Portemonnaie. Also wieder nach Hause, Portemonnaie geholt, dabei gerade noch Minimeins' vollgekotze Kindergartenkleidung in die Waschmaschine geworfen, eingeschaltet und wieder losgefahren. Völlig unnötige Hin- und Herfahrerei, die ich mir und den Kindern hätte ersparen können - wenn man mal vorher kurz nachgedacht hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette, es war aber leider nunmal so. 2x Abschnallballett bei Edeka. Allein im Auto wollte ich das angeschlagene Kind auch nicht warten lassen, also habe ich ihn überredet, mit reinzukommen, obwohl er eigentlich nicht wollte.

Im Laden haben wir schnell Bananen und Zwieback (für Minimeins), Milch (für Rakete und mich) und Apfelmus (für Rakete) in den Kindereinkaufswagen geworfen und sind zur Kasse gestiefelt. Dort schien sich die halbe Einwohnerschaft der ü60-Burgwedeler zum Wocheneinkauf verabredet zu haben: viele Leute mit viel Zeug im Einkaufswagen. Und obwohl viele Kassen offen waren und sogar an der Info bezahlt werden konnte, wenn man nicht so viel hatte, ging es nur schleppend vorwärts. Irgendwann, während wir so in der Schlange vor uns hinwarteten, habe ich mitbekommen, daß die Kartenzahlung wohl eine Weile nicht funktioniert hatte, inzwischen aber wieder EC-Kartenzahlung möglich sei. 

Langsam geht es vorwärts. Plötzlich fängt Minimeins wieder an zu brechen. Das arme Kind! Immerhin kotzt er nur auf den Boden. Ich beruhige ihn, sprinte zur Info, erbitte mir eine Rolle Küchentuch, bekomme sie, sprinte zurück und Minimeins hat auch schon wieder aufgehört. Ich drücke ihm ein Küchentuch in Hand, er möge sich den Mund abwischen. Ich wische derweil den Boden auf, bekomme viel Anteilnahme von den umstehenden Omis und immerhin eine reicht mir eine Plastiktüte als Mülltüte. Minimeins muß nochmal brechen, hält sich aber immer noch das Küchentuch, das ich ihm zum Mundabwischen gegeben habe, vor den Mund und deswegen spritzt die Brühe leider etwas mehr durch die Gegend als nötig. Das meiste bekomme ich aber ab: Jacke, Brille, Schal, Mütze, Gesicht. Bäh! Minimeins ist nur geringfügig in Mitleidenschaft gezogen (Jacke Schal), Rakete hat zum Glück nix abgekriegt und sonst auch keiner. Also alles aufwischen, entsorgen, Minimeins zum Durchatmen vor die Tür schicken an die frische (kalte!) Luft (ihn nehme an, ihm ist in voller Montur während der langen Wartezeit zu warm geworden und deswegen wurde ihm wieder übel), von einer Dame hinter mir den Tipp bekommen, mich doch an der Info anzustellen, dort frage ich eine andere Dame, ob ich bitte vorgehen könnte, sie hätte ja mitbekommen, was gerade passiert sei und die sagt nur entschuldigend mit den Schultern zuckend, sie müßte schließlich auch zur Arbeit. Ja, danke auch für das Gespräch.

Immerhin läßt mich an der nächsten Kasse jemand vor. Ich bedanke mich 1000x, in der Zwischenzeit kommt Minimeins wieder angestiefelt, er wolle dort draußen nicht so lange rumstehen und auf mich warten. Endlich sind wir durch, ich stopfe beide Kinder wieder ins Auto, drücke Minimeins seinen Reiseeimer in die Hand, der üblicherweise im Auto liegt, 2x Anschnallballett (durchgeschwitzt war ich eh schon) und wieder nach Hause fahren.

Inzwischen ist es halb 12, wir riechen sehr streng, immerhin war Rakete lieb und ist während der ganzen Aktion einfach stehengeblieben und nicht irgendwohin gegangen, wo er es interessanter findet. Ich ziehe erst mal allen Beteiligten die stinkenden Klamotten aus, werfe mir schnell eine Strickjacke über, ziehe Minimeins frische Sachen an, wasche uns zwischendurch grob, putze mit Minimeins die Zähne, sortiere die Wäsche (Wolle sollte extra gewaschen werden) und warte drauf, daß die Waschmaschine mit der ersten Ladung, die ich ja schon angeworfen hatte, fertig wird. Hätte ich mir auch sparen können, da kommt ja gleich nochmal was. Nun.

Rakete meldet Hunger an, ich hab eigentlich auch Hunger, Minimeins will unbedingt Zwieback. Ich nehme an, er ist jetzt leer und lasse ihn soviel Zwieback futtern wie er will. Das ganze zieht sich etwas hin. Ich lasse die beiden rumdameln, sollen sie nur. Rakete macht keinen Mittagsschlaf mehr (in der Krippe muß er allerdings zwangsschlafen, aber das ist wieder eine andere Geschichte...), hat aber natürlich dann im Laufe des Tages irgendwann einen ziemlichen Durchhänger. Nach dem Essen spielt er aber friedlich. Minimeins futtert sich genüßlich durch die halbe Packung Zwieback und ich habe regelmäßig die Waschmaschine beschäftigt und ein bißchen Zeitung gelesen. Nun, dann machen wir uns eben einen gemütlichen Tag zu Hause. Eigentlich hatten wir sonst nichts weiter geplant, aber ich hätte Minimeins eigentlich fragen wollen, ob und wenn ja was er denn schönes machen wollte.

Plötzlich klingelts an der Tür: die Nachbarin, deren Kindersitz ich entlieh. Die hatte ich über die Ereignisse völlig vergessen...! Das tat mir wirklich leid und ich hatte auch ein schlechtes Gewissen deswegen. Sie holte ihren Sitz dann persönlich ab. Da war es dann aber bestimmt schon halb 2 und ich stand immer noch im Unterhemd rum. (Gut, daß ich keine Jogginghose besitze...)

Nachmittags sind wir dann noch mal rausgegangen, um bei Ernstings ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Minimeins kam zwar mit, hatte aber auf dem Rückweg ziemlich zu kämpfen. Er war doch noch ganz schön klapprig auf den Beinen. Rakete ist dann im Kinderwagen fast eingeschlafen (aber nur fast!), aber ich konnte ihn daran hindern. Da war er dann, der Durchhänger.

Wir haben dann etwas früher als sonst Abendbrot gegessen. Minimeins, der eigentlich tagsüber ganz guter Dinge war, wollte aber nichts mehr, sondern sich lieber ein bißchen auf dem Sofa ausruhen. Das hatte er vormittags zwar schon gesagt, aber dann doch nicht gemacht.

Während Rakete und ich aßen, ist Minimeins dann auf dem Sofa eingeschlafen - eng an seinen Eimer gekuschelt. Nun, lassen wir ihn schlafen, er wird es brauchen.

Rakete und ich haben dann nach dem Abendbrot die letzte Wäsche aufgehängt und Rakete hat sich einen Wäschekorb geschnappt und damit Schiff gespielt. Ich hab ihn spielen lassen und mich zu Minimeins aufs Sofa gesetzt. Kurz drauf war der kleine Kapitän im Flur dann verdächtig leise.

Diese verdächtige Stille kann das 2 Gründe haben:
1. Entweder baut grad einer größeren Blödsinn
2. oder...


vom Schlaf übermannt - sogar ohne Schnuller


18 Uhr und beide Kinder schlafen. Entweder ist das ein früher Feierabend für mich oder es wird eine lange Nacht.

Ich habe noch ein bißchen abgewartet, damit Rakete auch wirklich tief und fest schläft und habe ihn dann nach oben getragen. Versandfertig verpackt war er ja schon. Ich habe ihn noch seiner Puschen und Hose entledigt und dann in sein Bett gelegt. Schläft er halt in Strumpfhose und Pulli statt in Schlafanzug und Schlafsack. Er ist auch dabei nicht aufgewacht, allerdings hörte ich währenddessen von unten ein sehr charakteristisches Geräusch in Verbindung mit einem Eimer... Argh!

Aber es war nichts. Minimeins war aufgewacht, hatte sich verschluckt und vorsichtshalber gleich nach seinem Eimer gegriffen, den er ja eh im Arm hielt. Es ging ihm ganz gut, aber er war müde. Vorsichtshalber habe ich ihn erst mal noch eine Weile auf dem Sofa schlafen lassen, bevor ich ihn ins Bett transportiert habe.

Und überraschenderweise haben beide (!) Kinder die ganze Nacht (!!) durchgeschlafen (!!!). Nur ich nicht. Ich glaube, ich kann das nicht mehr, ich muß das erst wieder lernen.

Fun fact: als wir am nächsten Tag - Minimeins war nicht im Kindergarten und mußte daher mit zum Einkaufen - bei Edeka an der Kasse standen, wurde er von der Kassiererin ganz teilnahmsvoll gefragt, ob es ihm denn heute schon wieder besser ginge. Tja, zack!, schon biste im ganze Ort bekannt.

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* deswegen gehen wir morgens fast immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Kindergarten - es ist einfach zu nah für irgendwas anderes. Neulich sprach mich eine Mutter an, daß sie es wirklich beeindruckend fände, daß ich wirklich jeden Morgen mit dem Rad käme und nicht mit dem Auto fahren würde, und daß ich das auch bei jedem Wetter durchziehen würde, das wäre ja auch eigentlich ganz sinnvoll. Ich habe mich bedankt und ihr dann erklärt, daß ich das weniger aus gesundheitlichen Gründen ("die Kinder kommen an die frische Luft") machen würde als einzig und allein aus dem Grund, weil es so wahnsinnig nah ist. Ganz ehrlich: wenn es aus Kübeln schüttet oder wir direkt im Anschluß irgendwohin fahren (z.B. um den Wocheneinkauf zu erledigen), fahre ich auch tatsächlich schon mal mit dem Auto, aber das kommt wirklich selten vor.

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Donnerstag, Januar 26, 2017

Mittwoch im Quadrat

Schrieb ich gestern, wie unser normaler Mittwoch nachmittag derzeit aussieht, hat er sich neulich sogar nochmal potenziert. Eine Nachbarin mit 3 Kindern war nämlich wegen einer Kleinigkeit vom Kinderarzt mit Kind 3 ins Krankenhaus geschickt worden und dort dauerte es (sie war wohl zunächst im hiesigen Krankenhaus, aber von dort hat man sie ins Kinderkrankenhaus nach Hannover geschickt...). Und es dauerte. Und dauerte. Deswegen rief sie mich irgendwann an und bat darum, ob ich ihr Kind 2 vom Kindergarten abholen könnte. Ja, kann ich machen. Ist zwar ein anderer Kindergarten als unserer, aber nicht besonders weit weg.

Minimeins war an diesem Tage schon mittags nach Hause gekommen und spielte fröhlich vor sich hin. Zum Abholen wollte er auch nicht mit, also ist er zu Hause geblieben. Auch recht. Also bin ich sehr pünktlich um 14:30 Uhr losgestiefelt, habe Nachbarskind 2 von seiner Kita abgeholt, dann sind wir zu unserer Kita gegangen, haben Rakete abgeholt (alles relativ entspannt, weil wir ja nicht schmorend auf Minimeins warten oder noch auf den Spielplatz mußten), sind nach Hause gegangen, Boxenstopp, Zwischensnack, das übliche. 

Dann diverse SMS der Nachbarin gesehen. Es würde noch dauern, aber sie hätte mit ihrem Kind 1 ausgemacht, sie nachmittags um 15:30 Uhr an der Grundschule abzuholen und ihr dabei ihren Tennisschläger mitzubringen und es täte ihr fürchterlich leid, aber ob wir ihr Kind 1 dort abholen und über die Situation in Kenntnis setzen würden, damit es nicht vergeblich dort warten würde. Nachbarskind 1 geht also nachmittags zum Tennis und mußte so nicht den ganzen Tag schon den Schläger mit sich rumtragen. Also habe ich meine beiden Kinder sowie Nachbarskind 2 (übrigens genauso alt wie Minimeins) um 15:15 Uhr wieder eingepackt und wir sind zur Grundschule gestiefelt. Ohne Tennisschläger, denn der lag ja bei der Nachbarin im Haus.

An der Grundschule war Nachbarskind 1 reichlich verwundert, von uns abgeholt zu werden. Ich erläuterte die Situation und wir haben überlegt, wie wir den Nachmittag organisieren. Nachbarskind 1 besitzt einen Haustürschlüssel, also sind wir alle fünf zusammen dorthingegangen, sie hat ihre Schul- und Sporttaschen etc. abgelegt, sich ihren Tennisschläger geschnappt, währenddessen fängt Nachbarskind 2 an zu heulen, weil es doch mittwochs immer zum Turnen gehen würde. Turnen fängt aber um 15:30 Uhr an und zwar in der Halle der Grundschule. (Jetzt verstand ich auch, warum die Nachbarin ihrem Kind 1 den Schläger bringen wollte - sie mußte eh zur Grundschule, um mit ihrem Kind 2 (und vermutlich auch mit ihrem Kind 3) zum Turnen zu gehen, und konnte bei der Gelegenheit den Schläger an ihr Kind 1 übergeben.)

Nun, das mit dem Turnen wußte ich nicht und jetzt (15:45 Uhr) war es auch schon ein bißchen zu spät, um wieder dorthin zu gehen. Mal davon abgesehen, daß ich nicht gewußt hätte, wie ich sonst die restlichen Termine koordiniert bekäme. Also habe ich versucht, Nachbarskind 2 zu vertrösten, daß es in der kommenden Woche schon am Dienstag mit uns zum Turnen kommen und so die versäumte Turnstunde nachholen könnte. Nun, Nachbarskind 2 wollte ABER HEUTE zum Turnen und war meinen Argumenten nicht zugänglich. Dann eben nicht.

Ich habe mir noch schnell bei einer anderen Nachbarin einen Kindersitz (so eine Sitzerhöhung) geliehen (Ironie der Geschichte: am Tag zuvor hatte ich bei Rossmann im Onlineshop eine ebensolche bestellt, die war aber noch nicht bei mir angekommen), den sie mir netterweise direkt über den Zaun anreichte, alle Kinder ins Auto gebastelt (vorher ein bißchen Kindersitztetris gespielt), 4x Anschnallballett, zur Tennishalle gefahren, Nachbarskind 1 um 16:00 Uhr dort rausgeworfen (1x Abschnallballett, es war so eng hinten im Auto, daß sie irgendwie den richtigen Knopf für ihren Gurt nicht gefunden hat) und die Abholung vereinbart (normalerweise geht sie zu Fuß dorthin und wird dann später von ihrer Mutter abgeholt - kann ich verstehen, es ist doch recht dunkel und verlassen dort im Winter nachmittags um 5. Ich habe sie vor allem deswegen direkt dorthingebracht und nicht selbst hingehen lassen, weil ich gar nicht so genau wußte, wo sich diese Tennishalle befindet.). Dann weitergefahren zum Industriegebiet, Minimeins um 16:15 Uhr zur Musikschule gebracht (nur 1x Abschnallballett, denn ich habe das immer noch beleidigte Nachbarskind 2 und Rakete kurz im Auto warten lassen, so haben sie sich wenigstens gegenseitig Gesellschaft leisten können), dann sind wir verbliebenen 3 weitergefahren zu Rossmann. Die Nachbarin schrieb nämlich, daß sie immer noch nicht dran wäre. 2x Abschnallballett bei Rossmann.

Dort verschwand nicht nur Rakete zügig im Laden, um seinen Einkaufswagen zu holen, sondern auch Nachbarskind 2. Leider nicht mit Rakete in Richtung Einkaufswagen, sondern irgendwoanders hin. Argh! Als ich mit meiner Packung Küchenrolle unter dem Arm in den Laden kam, habe ich nämlich nur Rakete gefunden, nicht aber das Nachbarskind. Leichte Panik! Kind verlieren ist nie gut, weder das eigene noch ein anderes. Es tauchte dann aber wieder auf - es war schon mal zum Spielzeug gegangen und hatte sich dort umgesehen. Und weil es immer noch bockig war wegen des Turnens, hat es eben nix gesagt. So. Das hab ich davon.

Dann haben wir einigermaßen unspektakulär unseren Einkauf über die Bühne gebracht und das Nachbarskind 2 war auch nur noch 2x kurz verschwunden (irgendwann hab ich das Spiel dann kapiert und gleich beim Spielzeug geguckt). Auf dem Weg zurück zum Auto bin ich so blöde umgeknickt, daß mein Knöchel noch ein paar Tage richtig wehtat. Aua! Half aber nix, the show must go on. 2x Anschnallballett.

Schnell nach Hause gefahren, 2x Abschnallballett, Kinder und Einkäufe ins Haus verfrachtet. Jacken, Mützen, Schals und Schuhe ausziehen, die Kinder spielen (aka kippen alles Spielzeug erstmal aus), ich räume die Einkäufe weg, dann nach 10 Minuten alle wieder anziehen (Gemotze: "ich will nicht schon wieder raus, ich will noch spielen, ich will nach Hause"), 2x Anschnallballett, um 17:00 Uhr Minimeins bei der Musikschule wieder abholen. Nachbarskind 2 und Rakete warten wieder gemeinsam im Auto. 1x Anschnallballett bei Minimeins, dann weiterfahren zur Tennishalle, um 17:10 Uhr Nachbarskind 1 wieder einsammeln, 1x Anschnallballett. In der Zwischenzeit habe ich gesehen, daß die Nachbarin geschrieben hatte, sie würde in Kürze losfahren. In Hannover ist aber um die Zeit Berufsverkehr, also habe ich damit gerechnet, daß sie ein bißchen länger brauchen würde.

Auf dem Rückweg von der Tennishalle nach Hause noch grad beim Edeka anhalten (liegt auf dem Weg) und ein Brot kaufen, kein Ab- oder Anschnallballett, alle 4 Kinder warten geduldig die 3 Minuten im Auto.

Zu Hause: 4x Abschnallballett, alle Kinder aus dem Auto pulen, Jacken, Mützen, Schals und Schuhe ausziehen und aufräumen, Tisch decken und alle überreden, daß wir jetzt doch bitte alle gemeinsam Abendbrot essen würden. Nachbarskind 2 lamentierte rum, es wollte nicht Abendbrot essen, es wollte nach Hause, zur Not würde es auch alleine mit seiner großen Schwester zu Hause bleiben wollen, das würden sie schließlich ständig so machen (auf Nachfrage stellte sich raus: dem ist mitnichten so). Das Kind war immer noch nachtragend, daß es als einziges an diesem Tage auf seine Freizeitaktivität verzichten mußte. Es tat mir ja auch sehr leid, aber ich wußte nun leider wirklich nichts von der Turnstunde (und selbst wenn...)

Wir haben dann doch noch alle zusammen gegessen und als wir fertig waren, kam dann auch endlich die Nachbarin und sammelte ihre beiden Kinder wieder ein. Sie hat sich noch 1000x bedankt und entschuldigt, daß es so lange gedauert habe (naja, ich gehe davon aus, daß sie nichts dafür konnte, daß es so lange dauerte). Ich hab ja gerne geholfen, aber insgeheim war ich auch ganz froh, daß ich selbst im Normalfall nur 2 Kinder habe.

Der kindersitzleihenden Nachbarin schrieb ich, daß ich ihr ihren Sitz am nächsten Tag zurückbringen würde, sie war einverstanden. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte...

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Mittwoch, Januar 25, 2017

Mittwochs

Mittwochs hat Minimeins Musikschule. Und ich Ballett. "Häh?" wird sich der geneigte Leser nunmehr fragen, Ballett??? Im Ernst?

Nun, ich fange mal vorne an.

So gegen 14:30 oder 14:40 Uhr tapere ich los, um die Kinder vom Kindergarten abzuholen. Das ist nicht weit, deswegen fahre ich schnell mit dem Fahrrad dorthin. Im Kindergarten sammle ich dann zuerst Rakete ein, verpacke ihn (draußen ist es kalt), versuche, alle Sachen auch wieder mitzunehmen (Schal, Mütze, Handschuhe, Rucksack, Brotdose, evtl. mitgenommenes Spielzeug, Jacke, Schuhe und ach ja, das Kind, evtl. Bastelerzeugnisse des Kindes und evtl. ein Mitgebsel eines anderen Kindes anläßlich seines Geburtstages). Es ist etwas ziemlich eng im Flur der Krippe, außerdem holen auch alle anderen Eltern zeitgleich ihre Krippenkinder ab und teilweise wuseln die Geschwister auch noch da rum, während ich versuche, mein Kind zu bekleiden. Kurz gesagt: meist komme ich dabei etwas ins Schwitzen, weil ich ja selbst auch noch meine Winterjacke sowie Schal und Mütze trage. Die Mütze lasse ich deswegen auf, weil ich dann nicht noch ein Teil suchen, finden, verlieren oder vergessen kann... 

Dann vom Souterrain (Krippe) wieder hoch ins Hochparterre (Kindergarten), um Minimeins einzusammeln. Da ist wesentlich mehr Platz. Allerdings wuseln da auch noch mehr Kinder und Eltern rum. Minimeins will wie üblich noch nicht nach Hause (er spielt grad so schön - das ist aber jeden Tag der Fall. Außerdem will er meistens morgens nicht hin und nachmittags dann nicht weg...), läßt sich überreden, trottet widerwillig in den Flur (alles in der ihm eigenen "Geschwindigkeit"*), wo Rakete und ich in voller Wintermontur so langsam im eigenen Saft vor uns hinschmoren.

Dort warte ich darauf, daß Minimeins wenigstens seine Puschen aus- und seine Schuhe anzieht. Bei Schal, Mütze und Jacke helfe ich ihm, damit wir noch vor Anbruch der Dunkelheit den Kindergarten verlassen können. Während ich aber warte, habe ich genügend Zeit, mir den Aktivitätenzettel des Tages durchzulesen, zu gucken, was Minimeins in der Mittagszeit gemacht hat (dafür gibts ein Extrabrett, weil es verschiedene, wechselnde Angebote gibt, aus denen die Kinder täglich neu auswählen dürfen), Rakete zu suchen, dem langweilig wurde und der deswegen schon mal auf eigene Faust losgestiefelt ist, und mich ein bißchen zu langweilen... (erwähnte ich schon, daß Minimeins nicht der Schnellste ist? Danebenstehen hilft übrigens auch nix...)

Weeeeeennnnnnn wir dann irgendwann endlich mal fertig sind, will Minimeins meistens noch auf den Spielplatz ("nur kurz, Mama"), meistens lassen ich mich breitschlagen, hieve Rakete auf die Schaukel und fange dann nach 5 Minuten an, an das "nur kurz, Mama" zu erinnern. Erwartungsgemäß gibts Gemotze, aber irgendwann müssen wir auch mal nach Hause, weil ja heute auch noch Musikschule ist.

Zu Hause sind wir meistens so gegen 15:15 oder 15:20 Uhr, da werden alle erst mal wieder ausgepackt, der vom Kindergarten mitgebrachte Sand wieder nach draußen gekippt, es gibt für beide Kinder einen Boxenstopp und eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken (Rakete hat immer Mordshunger und hält den Nachmittag tatsächlich nicht ohne Zwischenmahlzeit durch - nicht, daß es im Kindergarten nix zu essen gäbe...) und für mich, wenn die Zeit reicht, einen Kaffee**.

Um 15:55 Uhr müssen dann wieder alle eingepackt werden (Schal, Mütze, Jacke, Schuhe), was nicht ohne Gemotze von Minimeins abgeht ("Ooor, ich will aber noch spielen!"). Auch hier ist es immer dasselbe: erst will er nicht hin zur Musikstunde, dann will er dort nicht wieder weg...

Beide Kinder ins Auto packen und jetzt folgt der ballettöse Teil: das Anschnallballett. Selbst mit Winterjacke bekleidet die ebenfalls winterbejackten Kinder in die Autositze klemmen, den Anschnallgurt drum und durchziehen, in der Mitte anschnallen, dabei nicht auf den Kindern abstützen, den Gurt festziehen, das ganze 2x. Bei Minimeins geht es schon einfacher, weil er keinen Fangkörper mehr für seinen Kindersitz hat, da ist etwas mehr Platz. Inzwischen ist es 16:05 Uhr.

Dann losfahren, die anderthalb Kilometer ins Industriegebiet fahren (mit dem Rad kann man quer durchs Feld fahren, aber mit dem Auto muß man drumrum; Radfahren ist wegen der Lichtverhältnisse derzeit aber keine Option, insbesondere nicht auf dem Rückweg), Parkplatz suchen, Kinder abschnallen (2x), Minimeins zur Musikschule begleiten, beim Ausziehen helfen, es ist seeeeehr eng dort, Rakete am Weglaufen hindern, um 16:15 Uhr Minimeins in der Musikstunde abgeben (musikalische Früherziehung), mit Rakete wieder zurück zum Auto gehen (und dabei über alle Kanten balancieren, die er finden kann, und auf alle Steine klettern, auf die er draufkommt (bei den anderen wenigstens versuchen, draufzuklettern), Rakete mind. 3x wieder aufheben, weil er vor lauter Begeisterung über seine eigenen Füße gestolpert ist), Anschnallballett (1x), losfahren. 

Meistens fahren wir kurz zu Rossmann oder Edeka, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Bei Rossmann angekommen, 1x Abschnallballett, mit Rakete vom Parkplatz in den Laden gehen (dabei unbedingt auf der Bordsteinkante balancieren, allein schon, um evtl. Hundehinterlassenschaften zu umgehen), Rakete rennt in den Laden rein und schnappt sich einen Kindereinkaufswagen, den er ALLEINE schieben will (mitlenken darf ich auch nicht). Ich versuche also, ihn daran zu hindern, Leute oder Regale anzufahren und trotzdem noch die Dinge in den Wagen zu legen, die wir brauchen. Und auch NUR die, und nicht noch diverses anders Zeugs.

Dann unter möglichst weiträumiger Umgehung der Spielzeugabteilung zur Kasse. Rakete daran hindern, seine Sachen bei anderen Leuten aufs Band zu legen. Dann Rakete dabei helfen, seine Sachen aufs Band zu legen, als wir dran sind. Er ist noch ein bißchen kurz, um wirklich dranzukommen, aber sehr engagiert, die Einkäufe trotzdem draufzulegen. Als alles auf dem Band liegt, rast er mit dem leeren Einkaufswagen los und bringt ihn weg. Ich stehe derweil noch in der Kassenschlange und hoffe, daß er zurückkommt und nicht etwa noch mal den Weg in den Laden wählt.

Inzwischen kommt er aber meistens zurück zur Kasse. Er ist auch schon mal nach draußen gegangen, schließlich war ER ja fertig (Schweißausbruch und spontaner Sprint meinerseits inklusive). Dann noch zahlen, die Sachen in die mitgebrachte Tasche packen, das Klopapier unter den Arm klemmen, Tasche, Klopapier, Kind zurück zum Auto bugsieren (Bordsteinkantenbalancieren nicht vergessen), Einkäufe ins Auto verfrachten, Kind ebenfalls, Anschnallballett (1x).

Nach Hause fahren (ist alles nicht so wirklich weit, einen zeitlichen Vorteil bringt das Autofahren eher nicht mit sich), die Einkäufe ausladen. Je nachdem wie spät es ist, steigt Rakete noch mal mit aus (1x Abschnallballett) oder auch nicht, falls wir gleich weiterfahren. Im ungünstigsten Fall heißt es nach 10 Minuten also wieder 1x Anschnallballett (16:55 Uhr) und wieder losfahren. Meist reicht die Zeit dafür aber nicht.

Anderthalb Kilometer ins Gewerbegebiet, Parkplatz suchen, 1x Abschnallballett, mit Rakete zur Musikschule gehen, Minimeins einsammeln und bekleiden (es ist wahnsinnig eng dort im Eingangsbereich, erwähnte ich das schon?), Rakete wieder suchen (und finden), unter Abbalancieren sämtlicher Kanten zurück zum Auto, 2x Anschnallballett während Minimeins erzählt und - weil er erzählt, kann er nix anderes machen - nicht mitmacht, zurück nach Hause, 2x Abschnallballett, alle ins Haus und Ausziehen, alle Schals, Mützen, Jacken, Schuhe und ggf. Handschuhe aufhängen oder wegstellen und uff.

Gegen 17:15 Uhr sind wir wieder zu Hause. Und ich finde, ich habe mich ausreichend sportlich betätigt. Als Dank kippe ich meinen kalten Kaffee weg und versuche die Kinder zu animieren, beim Abendbrottischdecken zu helfen. Meist erfolglos, wer läuft also drölfzig mal hin und her? Richtig...

Im Sommer ist das ganze etwas entspannter, dann fahren wir mit dem Fahrrad hin, das ganze Verpacken und An- und Abschnallballett ist wesentlich entspannter (der Weg dahin nicht so, denn Minimeins fährt recht enthusiastisch Rad), ich kann mit Rakete in der Zwischenzeit auf den Spielplatz gehen und der Rückweg von der Musikschule ist auch entspannter, weil es noch hell ist. Minimeins hat zwar vorne an seinem Fahrrad ein Aufstecklicht, aber hinten nicht. Der Mann sagt, er hätte versucht, es anzuschrauben, aber es hielte nicht. Deswegen mag ich nicht im Dunklen mit Minimeins Fahrrad fahren.


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* noch langsamer wäre rückwärts

** Meist reicht die Zeit nur zum Kaffee kochen, aber nicht mehr zum Trinken.

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Samstag, Dezember 31, 2016

Bücher 2016

Und wie (fast) jedes Jahr steht an dieser Stelle nun der fast schon traditionelle Jahresrückblick in Büchern. (Ab wann gilt etwas als Tradition? Wie oft muß man etwas wiederholen, bis es als traditionell gilt? 5x? 10x? 57x?)

Ansonsten wie immer:
Sternchen heißt Leseempfehlung*, kursiv heißt Finger weg.

1. Edzard Ernst: Nazis, Nadeln und Intrigen
Sehr interessant, wobei ich die Nazis gar nicht so präsent in Erinnerung habe. Allerdings eine Autobiographie, was ja meist etwas anstrengend ist, so auch hier: der Autor findet sich gelegentlich etwas zu super und ist ebenso gelegentlich auch etwas redundant. Aber nun. Inhaltlich nicht schlecht.

2. Rick Kirkman, Jerry Scott: Baby Blues 3 - Tage des Terrors*
Gnihihi... Comics - aber seeeeehr witzig. :-D

3. Rick Kirkman, Jerry Scott: Baby Blues - Was nun?*
Gnihihi...

4. Renate Bergmann: Das bißchen Hüfte, meine Güte
Ganz lustig. Kann man aber gut unterwegs oder zwischendurch lesen.

5. Renate Bergmann: Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker
Siehe 4.

6. Ben Aaronovitch: Der böse Ort*
Band 4 der Reihe, die ich ja schon seit einiger Zeit lese. Überraschenderweise sind alle Bücher davon im Bestand unserer kleinen Bücherei. Oder besser: erfreulicherweise. Der Roman plätschert ein wenig vor sich hin, ist aber trotzdem ganz spannend. Allerdings muß man die 3 Vorgänger gelesen haben.

7. Ben Aaronovitch: Fingerhutsommer
Band 5 der Reihe, zu der auch das vorherige Buch gehört. Möglicherweise gibt es einen Gesamtzusammenhang im großen und ganzen, aber insgesamt hat dieser Band außer den Hauptpersonen wenig mit den 4 Vorgängern zu tun.

8. Hellmuth Karasek: Soll das ein Witz sein?*
Hellmuth Karasek über den Witz als solchen mit vielen Witzen. Sehr unterhaltsam. Auch oft sehr politisch unkorrekt.

9. Johann König: Kinder sind was Wunderbares - man muß es sich nur IMMER WIEDER sagen
Er spricht so wahr. Der Anfang und das Ende vom Buch sind super, in der Mitte hat es einen echten Durchhänger. Aber trotzdem gut zu lesen und lustig.

10. Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London*
Band 1 der Reihe - mir war einfach danach. Auch diesmal: Leseempfehlung

11. Wigald Boning: Butter, Brot und Läusespray - was Einkaufszettel über uns verraten
Grundsätzlich eine lustige Idee, ich habs trotzdem irgendwann weggelegt.

12. Hardy Pundt: Friesenwut
Ein Krimi. Ganz ok, aber ein zweites Mal würde ich es nicht lesen.

13. Terry Pratchett: Steife Prise*
Endlich mal wieder ein richtig guter Roman von Pratchett. Inzwischen muß man aber zumindest einige der Vorgänger gelesen haben, um die Fülle der Personen und den Gesamtzusammenhang zu verstehen. Ich glaube, einzeln wirkt das Buch einfach nicht so gut.

14. Jean-Luc Bannalec: Bretonischer Stolz*
Ich kann die ganzen Titel ja schlecht auseinanderhalten, weil sie sich alle so ähneln, aber die Bücher sind sehr spannend und oft actiongeladen. Es ist erstaunlich, was dieser Kommissar alles an einem Tag schafft und macht und an wie vielen Orten er ist.

15. Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Gold*
Auch hier gilt das zu Nr. 14 gesagte.

16. Jean-Luc Bannalec: Bretonische Flut
Das bisher schlechteste aus dieser Reihe, da es am Ende keine richtige Lösung gibt. Möglicherweise ist das aber auch ein Cliffhanger gewesen, den ich als solchen nicht erkannt habe, und es geht in einem der Folgebände weiter. Man weiß es nicht. Fazit daher bislang: gemischt.

17. Sophie Bonnet: Provenzalische Geheimnisse* (2. Fall Pierre Durand)
Den zweiten vor dem Ersten Band zu lesen, ist zwar etwas seltsam, aber er war grad in der Bücherei vorrätig, deswegen habe ich ihn mitgenommen. Auch wieder ein französischer Kommissar (bzw. eher ein Flic), allerdings in der Provence, nicht in der Bretagne. Auch spannend, aber weniger actiongeladen als die bretonischen Romane, dafür mit kulinarischem Schwerpunkt.

18. Janne Mommsen: Friesensommer

19. Sophie Bonnet: Provenzalische Verwicklungen* (1. Fall Pierre Durand)
Des ersten Bandes wurde ich dann doch noch habhaft, also auch gleich verschlungen. Ebenso spannend, auch hier wieder kulinarische Schwerpunkte - die interessieren mich zwar nicht so, ist aber in erster Linie für den Plot wichtig.

20. Jacques Berndorf: Eine Reise nach Genf
Flohmarktfundstück. Die Barschel-Affäre in Romanform - mit allerdings fiktivem Ende, nehme ich an. Gut zu lesen, aber recht brutal.

21. Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz
Auch dieser Berndof ist recht brutal, aber auch sehr spannend.

22. James Rebanks: Mein Leben als Schäfer
Das habe ich noch nicht ganz durch, der Vollständigkeit halber aber schon auf der Liste. Das Buch ist ganz gut zu lesen und bietet einen interessanten Einblick in die Schäferei und das bäuerliche Leben in Nordengland.

23. Renate Bergmann: Wir brauchen viel mehr Schafe
Siehe Nr. 3 und 4. Ganz unterhaltsam, weihnachtliches Ende, zwischendurch sehr lustig.



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Samstag, Dezember 24, 2016

Der Baum brennt

Was man bei Tageslicht nicht so richtig sieht, aber dann lässt er sich wenigstens einigermaßen ablichten. Ich hoffe, das Kamikaze-Kind Rakete dezimiert den Baumschmuck nicht allzusehr...


Fröhliche Weihnachten!

P.S.: Übrigens wünschte Minimeins im Sommer ("Mama, bis Weihnachten halte ich das nicht mehr aus!!!") Schneemannsocken. Also hat er welche bekommen. Jetzt, da nun endlich Winter ist (oder sowas ähnliches), sind sie schon wieder zu klein.


Frosty


Deswegen hat er sehr spontan und sehr (seeeeeeehr) kurzfristig nochmal neue Weihnachtsstrümpfe bekommen. Die sind etwas größer ausgefallen und werden wohl auch noch nächstes Jahr passen...


Oh Tannenbaum...

Sonntag, Dezember 11, 2016

Adventszeit



Und selbst so?

Mittwoch, November 02, 2016

Alle Vögel fliegen hoch

Wir spielen 'alle Vögel fliegen hoch'.

„Milch!“
„Nein.“
„Doch, guck mal, Mama!“
"…"
„Mama? Milch kann nicht nur fliegen, die kann auch regnen! Toll, oder?"
Kannste Dir nicht ausdenken, sowas.

Geht übrigens so ähnlich auch mit Sahne. Wobei, eigentlich ist die eher gefallen. Aus dem Kühlschrank. (Oder gesprungen. Ich denke, es war Suizid.) 

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Dienstag, November 01, 2016

Das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner

Wir kommen vom Kindergarten nach Hause, es ist etwa 15 Uhr.

Wie immer sind die Kinder kurz vorm Hungertod (nicht, daß es im Kindergarten nichts zu essen gäbe, aber offenbar reicht es den beiden Vielfraßen nicht).

Kind 2 holt sich einen Joghurt aus dem Kühlschrank, isst ihn auf und fordert einen zweiten. Bekommt ihn, öffnet ihn, fängt an, ihn zu essen.

Kind 1 hat sich derweil endlich entschieden, daß es auch was essen will, am liebsten auch einen Joghurt. Es öffnet den Kühlschrank, schaut ratlos rein, die Auswahl ist nicht genehm (zugegebenerweise sind nur noch 2 Stück da). Es entdeckt ein angefangenes Glas Gewürzgurken, in dem noch 4-5 Gürkchen sind, und beschließt, diese zu essen.

Kind 1 kommt mit dem Gurkenglas an den Tisch, setzt sich, holt sich eine Gabel, die Kind 1 beim Frühstück nicht gebraucht hat und die deswegen noch auf dem Tisch liegt, öffnet das Glas, steht wieder auf, um sich einen Teller zu holen, kommt nach geraumer Zeit mit dem Teller zurück, setzt sich wieder und beginnt endlich, sich eine Gurke aus dem Glas zu angeln.

Kind 2 hat dem Treiben derweil fasziniert zugesehen und dabei 1-2 Löffel Joghurt gegessen. Der Becher ist halbleer.

Kind 1 hat endlich Beute gemacht (natürlich nicht, ohne sein Tun ausgiebigst zu kommentieren) und beißt in seine Gurke.

Kind 2 schreit daraufhin Zeter und Mordio, weil es natürlich auf der Stelle auch eine Gurke haben will. Also gebe ich ihm eine Gurke, die nimmt er in die Hand, leckt sie einmal an, verzieht (erwartungsgemäß) das Gesicht und lehnt die Gurke ab. Ich muß sie aufessen, weil Kind 1 (ebenso erwartungsgemäß) natürlich ablehnt, eine Gurke, die Kind 2 bereits in der Hand hatte, auch nur anzufassen (sonst ist er da eigentlich nicht ganz so eigen).

Ich versuche, Kind 2 mit seinem Joghurt zu Ende zu füttern. Den lehnt es ab. Naja, mit dem Gurkengeschmack im Mund ist es vielleicht auch anfangs wirklich nicht sooo lecker. Es fordert die Gabel, die Kind 1 zum Gurkenangeln benutzt, bekommt sie, ißt damit ein bißchen Joghurt, hört dann aber wieder auf. Kind 1 labert derweil vor sich hin, holt sich eine andere Gabel und ißt zwischendurch nach und nach die Gurken auf. Als er die letzte rausholt, fordert Kind 2 diese wieder. Ich schwatze sie Kind 1 ab (es schadet Kind 2 nicht, wenn es ab und an mal nix süßes ißt), gebe sie Kind 2, das beißt rein, ißt sogar 2 Bissen und mietet mir dann die restliche halbe Gurke wieder an. Mit Kirschjoghurt garniert.

Als ich diesen kulinarischen Hochgenuß wage abzulehnen, ernte ich wieder unwilliges Gebrüll und werde auch noch mit Joghurt beschmiert, während Kind 1 sich beschwert, daß es jetzt noch mehr Gurken haben will, aber keine mehr da sind.

Kinder. Ein steter Quell der Freude.

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Sonntag, Oktober 30, 2016

Der längste Tag des Jahres

... war nämlich heute. 25 Stunden.

Gestern habe ich Minimeins erzählt, daß die Uhren umgestellt werden. Eigentlich wollte ich noch erklären, was das heißt, aber Minimeins war (ausnahmsweise) schneller.

Und wo werden die hingestellt?

Genau mein Humor, das Kind. :-D

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Dienstag, September 13, 2016

Kindermund

Minimeins kam kürzlich aus dem Kindergarten nach Hause.

ich: Na, war's schön?
Minimeins: Ja. Ich glaube, ich hab mich verfreundet. Mit der L.

Ich bin jetzt nicht ganz sicher, ob er befreundet meinte oder verheiratet. Er findet es nämlich auch total lustig, daß manchmal gehupt wird, wenn das Brautpaar vom Standesamt oder der Kirche irgendwohin fährt.

Neulich im Auto.

Minimeins: Mama, kannst Du mal hupen?
ich: Nein, kann ich nicht, man darf nicht einfach so hupen, ohne Anlass.
Minimeins: Aber wenn einer heiratet, dann dürfen alle hupen! Mama, wer heiratet denn bald mal?

* * *

Wieder eine Kindergartengeschichte. Ich frage Minimeins, was er denn so gespielt hat.

ich: Minimeins, ich hab gelesen, ihr wart heute draußen. (Das ist nichts ungewöhnliches, die gehen jeden Tag raus.) Was spielt ihr denn da immer so? Mit Autos? Oder im Sand? Oder was anderes?
Minimeins: Heute haben wir Mädchengift gemacht!
ich: Mädchengift? Was ist das denn?
Minimeins: Wenn da ein böses Mädchen kommt, dann geben wir der das und dann ist die wieder weg.
ich: Hm, aber ihr habt doch eigentlich nur nette Mädchen in der Gruppe. Oder gibt es ein nicht nettes?
Minimeins: Nee, die sind alle nett. Aber wenn mal ein böses dazukommt, haben wir ja das Mädchengift.

Aus der Reihe: sei allzeit gut vorbereitet auf Eventualitäten.

(Da gibt es einen bayrischen Witz.
Ein paar Männer sitzen im Wirtshaus und spielen Karten.
Sagt der erste: Wos stinkt denn so doherinnen?
Sagt der zweite: Des wern die Hund sei.
Sagt der dritte: Aber es sind doch goar koa Hund net do?!
Sagt der vierte: Die wern scho noch kumma.)

* * *

Minimeins spielt ganz gern mit dem Nachbarsjungen, nennen wir ihn J. Der J. ist zwar ungefähr 2,5 Jahre älter, das stört die beiden aber nicht.

Minimeins zu mir: Du, Mama? Wenn der J. mal wieder bei seinem Papa ist, dann lade ich die Mama vom J. mal zu mir ein.
ich: Wieso das denn? Damit sie dann nicht alleine ist?
Minimeins: Nee, dann kann ich mich mal in Ruhe mit der unterhalten, dann stört der J. uns nicht immer.


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Freitag, August 05, 2016

Geheimnisvoll

Minimeins ist im Bad, er hat eigentlich nur eine Aufgabe: Hände waschen. Da 'Schnell' nicht unbedingt sein zweiter Vorname ist, lasse ich ihn eine Weile da rumdödeln. Als er allerdings schon eine seeeehr lange Weile im Bad ist und es außerdem verdächtig still ist, frage ich nach.

ich: "Minimeins, was machst Du denn so lange?"
Minimeins (singend): "Nichts, was ich Dir verrate!"

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Donnerstag, Juli 28, 2016

Am Anfang war das Wort

Rakete läuft endlich. Hurra. Er hat sich auch lange genug Zeit damit gelassen. 

Nun warten wir darauf, daß er auch ein wenig sprechen möge. Bislang kann er sehr deutlich ausdrücken, wenn er etwas NICHT möchte (ein sehr willensstarkes Kind, wie man so schön sagt). 'Nein' braucht er dafür nicht, die Körpersprache reicht aus (am harmlosesten ist noch vehementes Kopfschütteln). 'Ja' sagt er auch nicht, sondern so lange "da!", bis ich das genehme rausgefunden habe.

Ab und zu sagt er "Mamam", was aber nicht spezifisch Mama bedeutet. Was genau es ist, weiß ich auch nicht (bei Minimeins damals war es sowohl 'Mama' als auch 'essen' bzw. 'Essen/Nahrung').

Neulich allerdings hat er mich anklagend angeguckt, seinen leeren Joghurtbecher (er ernährt sich vorzugsweise von Joghurt, Apfelmus, Keksen und Milch) hochgehalt und "alle!" gesagt.

Tja. Andere Kinder sagen als erstes Wort 'Mama' oder 'Papa' oder 'Auto', Rakete sagt 'alle'. 

Er wird schon noch anfangen mit Sprechen. Minimeins ist ja auch eher ein Spätstarter gewesen, dafür hört er jetzt gar nicht mehr auf damit (und wenn er nicht spricht, dann singt er). Vielleicht ist es bei Rakete genauso, obwohl er sonst in vielerlei Hinsicht ganz anders ist als sein großer Bruder.

Aber Sprache bislang? Alle.

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Dienstag, Juni 07, 2016

Shopping, oder: wie man einen Vormittag rumbringt

Erst mal die Kinder zum Kindergarten bzw. zur Krippe bringen. Vorher natürlich die Briefe, die in den Kasten müssen, einstecken und einen Einkaufsbeutel. Und die Fahrradhelme für die Kinder an jedem anbringen, zweimal Sommermützen einstecken, zweimal Brotdosen, Badehose und -handtuch fürs Kindergartenkind, Schuhe und Obst für das Krippenkind, Schlüssel für das Fahrradschloß vom großen Kind. (Das Schloß haben wir dann leider vergessen, macht aber nichts.) Und dann noch losradeln.

Erstaunlicherweise schaffen wir es tatsächlich in den Kindergarten, bevor die Tür geschlossen wird, also vor halb neun. Minimeins ist momentan so dermaßen schnarchlangsam in all seinem Tun, daß er von Schnecken überholt wird. (Ich bin maximal genervt.) Erstaunlicherweise ist er aber vor lauter Langsamkeit nicht vom Fahrrad gefallen auf dem Weg zur Kita.

Von der Kita in die Stadt: ein kurzer Weg. Erst zum Briefkasten der gelben Post (Briefe einwerfen), dann zum Bäcker ("ein Franzbrötchen, bitte!"), weiter zum örtlichen Buch- und Schreibwarenhandel (Kopierpapier, Briefumschläge lang mit Fenster, Kösterhefter), dann zum Briefkasten der blauen Post (Briefe einwerfen). 

Eigentlich wollte ich noch zum IKM (dort werden Deutschlehrer für Flüchtlinge gesucht) und bei der blauen Post Briefmarken kaufen, aber beide öffnen erst um neun Uhr. Also radle ich erstmal wieder nach Hause und räume die bereits erworbenen Dinge weg. Noch ein kurzer Blick in die Zeitung, dann den Einkaufszettel sortieren (Rossmann und Edeka), den Mann via Hangout fragen, was das kryptische Gekritzel auf dem Zettel bedeuten soll (WC-Reiniger) und dann ist es schon zehn nach neun. 

Wieder losradeln zur blauen Post. Fast dran vorbeigefahren. Drinnen muß ich ein Weilchen warten, die Dame nimmt noch telefonisch eine Kleinanzeige auf, denn es ist gleichzeitig die Zweigstelle der HAZ und des örtlichen Blattes. Dann kann ich meine Briefmarken erwerben, bloß mit dem Quittungsdruck klappt es nicht, der Drucker streikt. Also bekomme ich eine handgeschriebene Quittung. Auch gut. Weiter zum IKM. Dort finde ich gleich die Organisatorin der Deutschkurse, wir besprechen uns kurz, sie will sich melden. Fein. 

Weiter zu Rossmann: ein Jumbopack Windeln, zwölf Gläschen, eine Packung Kindermüsli, vier Rollen Küchenpapier, Servietten, WC-Ente und WC-Steine. Alles eingepackt bzw. auf dem Fahrrad verstaut (die Windeln fahren im Kindersitz, die Küchenrollen hängen am Lenker, der Rest passt in den Korb vorne), wieder nach Hause fahren. Alles auspacken, wegräumen, die Quittungen vom Büromaterial und den Briefmarken abheften und wieder losradeln.

Diesmal zu Edeka: zehn Eier, ein großes Glas Nutella, ein bißchen Joghurt, zwei Liter Milch, zwei Packungen Frischkäse, Aufschnitt, Color-Waschmittel (passte bei Rossman nicht mehr mit rein) und dann finde ich im Tchibo-Regal runtergesetze Bettwäsche, die ich hübsch finde und die auch noch in den passenden Größen vorrätig ist (normal für mich und Übergröße für den Gatten). Also auch mitnehmen.

Wieder alles verstauen, diesmal fahren die Bettwäsche und das Waschmittel im Kindersitz, der Rest passt in den Korb. Erneut nach Hause fahren, wieder alles auspacken und wegräumen.

Dann das Franzbrötchen verspeisen, dabei bei Tchibo online gucken und bestellen, die Kindersachen sind leider schon so ausverkauft, daß ich nur Strümpfe für Minimeins finde, ich bin definitiv zu spät dran. 

Die Dame vom IKM ruft an und fragt, ob ich auch zwei Leute alphabetisieren würde, d.h. ihnen lesen und schreiben beibringen kann. Naja, versuchen kann ich es ja mal. Wir besprechen noch die Termine und ich bin gespannt. Übermorgen gehts schon los.

Für Rakete könnte ich noch eine kurze Hose und ein paar T-Shirts sowie eine Badehose gebrauchen. Der Mann hat die Kisten mit der nächsten Größe vom Boden geholt, ich gucke die kurz durch und stelle fest: ein paar T-Shirts sind da, aber keine Bade- oder kurze Hosen. Seltsam. Was hatte Minimeins denn dann an???

Ich muß also wohl doch noch mal zu Ernstings Family oder so. Allerdings habe ich jetzt keine Lust, noch mal loszufahren. Inzwischen ist es halb zwölf und der Vormittag quasi rum. 

Was fehlt noch?
- Kurze Hosen und Badehose für Rakete
- DVD und Hörspiele in der Bücherei abgeben (die machten erst um zehn Uhr auf, solange kann ja keiner warten)
- Die ersten Bilderbücher der Kinder suchen, vielleicht eignen die sich für den Deutschunterricht.

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Dienstag, Mai 24, 2016

Große Ereignisse...

fanden statt: Minimeins wurde heute 4. Schon!


Er hat sich heute hauptsächlich von Schokolade, Schokokuchen und Kakao ernährt, eine Million Geschenke abgesahnt und war sehr glücklich. Und die Kindergeburtstage (wir haben es aufgeteilt auf zwei Tage: Kindergartenfreunde und Nachbarn - acht bis neun vierjährige auf einmal waren mir zuviel) kommen erst noch...


Sonntag, Mai 15, 2016

Grand Prix Eurovision de la Chanson - Eurovision Song Contest 2016

The same procedure as last year? - The same procedure as e-ve-ry year, my dear!

Nä, wat is dat schön.

Es ist wieder Grand-Prix-Zeit. Und wie es die Tradition so will, hat Monsieur Fox sich wieder aufgemacht, eben diesen mit uns zu gucken (und weder Kosten noch Mühen gescheut, statt der bisherigen sechseinhalb nunmehr 650 Kilometer hinter sich zu bringen für dieses Ereignis - daß es hier einen zeitlichen Zusammenhang mit dem Geburtstag des ESC-Babys Patenkindes Minimeins gibt, lassen wir mal kurz unter den Tisch fallen - ich finde das durchaus erwähnenswert.)

Also, es ist Pfingsten und Grand Prix, wenn das mal kein Garant für Regen in Hamburg ist. Das sind die üblichen Konstanten im Leben (Schnee an Ostern, Regen an Pfingsten, kein Schnee an Weihnachten), da findet man Halt im Jahresablauf.

Also, Babara Schöneberger moderiert wie gewohnt aus Hamburg, es regnet wieder wie aus Eimern, und die Vorabshow interessiert mich mal wieder nicht die Bohne.

So, Hamburg ist erstmal fertig, jetzt wird nach Stockholm geschaltet.

* * *

Jetzt laufen alle Teilnehmer einmal über die Bühen und dazwischen laufen so komische Warentrenner, die - nennen wir es mal vorsichtig: ungewöhnlich - sehr seltsam aussehen. So wie Kunst aus Wellpappekartons und kaputten, ausgestopften Strumpfhosen.

Fox wühlt sich noch durch meinen Wollvorrat und sucht sich was aus für ein Paar Socken. Man muß die Zeit auch mal nutzen, die einem so ein Schaulaufen bietet. (Er hat die Entscheidung vertagt. Wie sollte es anders sein?)

Nun Begrüßung durch die Moderatoren. Er trägt schwarz, sie so eine Art Glitzerfrotteeanzug.

Aber nun gehts auch schon los. Der Gatte bereitete ein Käseigelchen zu.

1. Belgien
Another one bites the dust. Tatsächlich. Stupsnäschen mit ihrer Jazztanzgruppe macht wenigstens etwas Gute-Laune-Musik. Die soll Punkte kriegen, die lächelt sogar! Ach schön, wenigstens mal nicht nur schwarz, sondern silber, rot-gelb und Interaktion mit dem Publikum. Und keine Ballade! Keine ernsten Themen, sondern viel passender zum ESC, finde ich. Schön! Mit Abstand der beste Beitrag bisher.

2. Tschechien
Die wollen ja nicht mehr Tschechische Republik genannt werden, sondern heißen jetzt offiziell Tschechien. Oder gilt das erst ab nächstem Jahr? Auf jeden Fall haben sie schon mal Aschenbrödel auf die Bühne gestellt. Balladisch. Unter den Fußbodenprogrammierern war wohl ein Mathematiker mit Hang zu Fraktalen - der Bühnenboden lässt sowas jedenfalls vermuten. Immerhin isses bunt und nicht schwarz, das gehört schon mal herausgehoben. Ooooh-oooooh-ooooooh... nun ja, es hat Längen. Lange Längen. Lange, längliche Längen. Moah, ist das bald vorbei??? Immerhin darf die Wondmaschine etwas pusten.

3. Holland
Douwe [Dau-e] heißt der Knabe, zu deutsch: Taube. Hören kann er aber wohl. Country-Pop mit Gitarre und Anzuch. Nur für die stilechte Haartolle hat das Haupthaar des Interpreten nicht gereicht. Erinnert an "It never rains in California". Mit Pause im Lied? Das ist aber doof (also, die Pause, das Lied ist ganz nett). Jetzt latscht der ins Publikum - ja ist das denn hier ein Live-Konzert? Nix da, das ist ESC, zurück auf die Bühne, Jungchen! Aber: gutes Lied, niedliches Jungchen, passt.

4. Aserbaidschan
Auch viel Video im Hintergrund. Die Dame steckt in einem immerhin langbeinigen Glitzeranzug (gold, nicht schwarz), der Background tanzt bauchfrei (die Männer) bzw. im Miniröckchen (die Frauen). Viel Miracle, viel Feuer und Feuerregen. Naja, Feuerregen hat ja schon mal gereicht für den Sieg. Das Lied ist viel Miracle, nervt aber etwas. Der Mann versucht, Goldfinger zu singen, klingt schlimmer als das, was die da machen. Aber sie geben sich viel Mühe, muß man schon sagen.

5. Ungarn
Laut Vorspann sieht es so aus, als würde der ungarische Sänger bei Vapiano arbeiten. Naja, warum auch nicht. Die Backgroundsängerinnen sind Männlein in Schlabber-T-Shirts und Bollerbuchsen und dann zappelt da noch ein Trommelmönch rum und macht bumm. Die Männlein flöten!
Aber sonst? Laaaaaaaangweilig!
Der Sänger hat so ein schief zusammengenähtes T-Shirt an, das sieht aus wie ein schlecht sitzendes OP-Hemd (gibt es eigentlich gut sitzende???). Nur halt nicht hinten offen. Kaputte Hosen hat er auch an und stampft zum Getrommel dazu. Fox hat sich für eine Sockenwolle entscheiden.

6. Italien
Flower-Power im Hosenanzug, das Flower-Power-Mädchen steht auf einer Kunstraseninsel in einem See. Hübsch anzuschauen, das Ensemble aus Sängerin und Bühnenshow. Sie singt italienisch und englisch, das ist praktisch, da spart man sich einen halben Liedtext, indem man das zuvor gesungene einfach noch mal in der anderen Sprache wiederholt. Niedlich.

7. Israel
Die 80er haben angerufen: sie wollen ihre Haartolle zurück. Typi trägt schwarzen Glitzer, Augen-Make-up wie Menderes, natürlich Ohrring und Glitzerschuhe. Das Lied balladet vor sich hin und ist ein bißchen langweilig. Die Akrobaten auf der Bühne sind aber Ton in Ton - schwarz. Langweilig. Jetzt wirds schneller und es gibt - Überraschung - Feuerregen! Nützt aber auch nix. Oh, Akrobat glitzert jetzt auch. Der kreiselt übrigens in einem übergroßen Hula-Hoop-Reifen rum (gehört der Rainer Calmund oder warum ist der so riesig?).

8. Bulgarien
Haare nur auf einer Seite is wohl in. Nur ne halbe Frisur in Zeiten, in denen man sparen muß, das ist ja fast schon durchdacht. Auch wieder sehr düster. Das Lied ist ganz lustig. Sie trägt ein ausrangiertes Kostüm von Flash, das es nicht in den Film geschafft hat. Nein, das Lied ist doch nicht lustig. Jedenfalls nicht nach mehr als 1:30 Min. Das Kostüm leuchtet. Praktisch nachts im Straßenverkehr, aber ansonsten? Doch, einen weiteren Vorteil hat es: es lenkt vom Lied ab.

9. Schweden
Aus Mans wird Frans. Frans Ganz. Ganz Frans. Frans kanns. Nur Frans. Also auf der Bühne. Und sein Mikro. Bislang wenig Show drumrum, ein bißchen Video, aber nicht so übertrieben. Klingt wie so ziemlich alles, was grad im Radio läuft. Get in touch with the Publikum, aber ansonsten passiert da nicht viel. Den Leuten in der Halle gefällt es allerdings wohl ganz gut. Ich war das halbe Lied lang von Niesattacken heimgesucht und habe es daher nicht ganz verfolgen können.

10. Deutschland
Jamie-Lee from Dschörmänie. Das reimt sich, und was sich reimt, ist gut - das wußte schon der große Literat Pumuckl. Jamie-Lee frisch aus dem Bonbon-Laden - da scheint sie sich einzukleiden. (Wer, bitte, heißt eigentlich in echt Jamie-Lee???) Nun farblich hebt sie sich immerhin ab aber ansonsten ist es trotz knallbunt sehr schlicht, das Lied. Sie konzentriert sich sehr aufs Singen, aber es fehlt ein bißchen an Sandmalerei, Hundewelpen und Feuerregen - also ein bißchen mehr Hintergrundgedöns hätts schon sein dürfen.

11. Frankreich
Der Franzose singt teilweise auf Englisch. Revoluschn. Turnschuhe zum Anzug - sieht immer noch blöd aus. Der Sänger sieht aus wie der Koch aus der Edeka-Werbung, wie hieß der noch? Steffen Henssler, sagt Fox. Singt aber besser als der Koch, vermutet der Gatte. Das Lied? Nun ja, nicht schlecht, aber obs für weit vorne reicht? Ich weiß ja nicht.

12. Polen
Balladisch. Der Typ trägt Foxens alte Frisur auf. Und irgendso einen ollen roten Mantel, Typ Zirkusdompteur. Für Socken hats abernicht mehr gereicht, oder wie sieht das aus? Lie-der-lich! (Muahahaha!) Dramaturgisches Armgefuchtel - soll wohl bedeutungsvoll sein. Das Lied hat Längen. Und ist lang. Es hört nicht auf. Niiiiiieeeeee (leier, leier...). Oh, doch vorbei. Wer hätte das gedacht?

Pause? Pause. Päuschen.

13. Australien
Die machen jetzt richtig mit??? Ich dachte, das wäre letztes Jahr nur ein Gag gewesen. Aber diesmal mussten sie durchs Halbfinale. Na gut. Was passiert, wenn die gewinnen? Wo findet der nächste ESC dann statt? Fox sagt: in einem europäischen Land (das Australien nächstgelegene EBU-Land wäre wohl Israel oder Aserbaidschan).
Prinzesschen, asiatisch, trägt auch Glitzer, in silber und weiß, und sitzt auf einem großen Würfel. Bühne dafür natürlich schwarz. Mit Blitzen oder sowas. Also die Bühne. BIßchen optisches Gedöns, das den Gesten der Säängerin folgt, ansonsten recht schlicht bislang. Glitzert ja auch genug. Das Lied ist relativ langsam, aber laut. Hm. Also ich weiß ja nicht. Aber so im Vergleich war das Lied gar nicht mal so schlecht.

14. Zypern
Oh, war der nicht mal Juror bei Guantanamo Germanys next Topfmodel? Wie hieß der gleich? Peyman? Am Augen-Make-up hat er jedenfalls nicht gespart. Hoppla, alle eingesperrt? Sind die gefährlich, daß die in Käfige müssen? Das Lied gefällt mir sogar. Es hebt sich wenigstens vom restlichen Synthiepop ab, ist für ESC-Verhältnisse direkt schon Hardrock. Und jetzt auch noch Wolfsgeheul, nee, das ist ein bißchen zu übertrieben. Wo ist Rotkäppchen, wenn man es braucht? Die hat doch den Wolf gefressen, oder wie war das? Fox meint, es sei ein aufgerocktes Roxette-Lied. Das Lied darf gern gewinnen, auch wenn die Show sicher nicht jedermanns Geschmack war.


15. Serbien

Schon wieder schwarz. Farbe war wohl aus dieses Jahr. Die hat auch so aufgerollte Lakritzschnecken am Kleid. Das Lied ist auch langweilig. Da kann ich auch die Spülmaschine ausräumen. Oder Foxens neue Socken anschlagen. (Es hat letztlich nur zum Öffnen der Chips-Packung gereicht. Der Mann blättert durch ein Kleinkinderbauernhofbilderbuch.

16. Litauen
Ui, weiß! Aber mit schwarzem Hintergrund. Natürlich. S Bubele hat immerhin ein etwas schmissigeres Lied, allerdings ne dämliche Frise. Halbe Dauerwelle oder was ist das da auf seinem Kopf? Aber etwas mehr Ausdruckstanz als die anderen so. Also viel mehr. Direkt schon Akrobatik.EIn Backstreet Boy, dem die andern Jungs abhanden gekommen sind. Och ja, das gefällt mir. Das Lied ist Durchschnitt, aber sein Getanze war nett.

17. Kroatien
Was ist das denn für ein Kleid? Meterware Glitzergeschenkpapier mit den Schattentheaterbäumen aus der letzten Kita-Weihnachtsfeier? In der Zeitung steht, es sehe aus, als sei die Sängerin in einen toten Tintenfisch eingenäht.
Ach, ein Trickkleid! Jetzt haben ihr 2 schwarze Gestalten den Umhang geklaut. Tses! Darunter jede Menge Kunstschnee, oh, es ist die Stola. Die haben wohl echt dass Lied in der Vorweihnachtszeit geschrieben und danach dann die Restbestände der Weihnachtsdeko günstig aufgekauft. Leider ist das gute Stück so schwer, daß die Tante sich darin kaum bis nicht bewegen kann. Nun, dann muß die Windmaschine das eben regeln. 

18. Rußland
Och nö. Mag ich jetzt schon nicht, egal, was das fürn Lied ist. Erst mal alles schwarz vor schwarz. Naja, daß es in Rußland dunkel ist, ist ja bekannt. LEtztes Jahr hat ein smarter Typ mit Videotechnik gewonnen, also schicken die Russen innovativerweise dieses Jahr einen smarten Typen mit - Überraschung! - Videotechnik. Wilde Videotechnik, eiskalt durchkalkuliert. Nun, das Lied reißts jedenfalls nicht, da muß schon etwas Ablenkung her. Leider springt der Funke - im Gegensatz zum schwedischen Lied letztes Jahr - leider nicht über. Das Lied ist absoluter Durchschnitt und wird allein deswegen schon jede Menge Punkte bekommen (und weils aus Rußland ist). Schade eigentlich. Naja, wenigstens wurde die Viedotechnik dann noch bunt.

19. Spanien
Was ist das denn? Eine Mischung aus Madonna und Olivia Jones? EIn Glitzer-Trikot, aber überlang? Fox findets ganz gut. Ich finde es absolut nichtssagend. Sie hat sich einen Zwilling auf die Bühne projiziert. Bombenstimmung in der Halle, nur an mir scheint es vorbeigegangen zu sein.

Päuschen.

20. Lettland
Och Gottchen, die haben auch so einen Bubi geschickt wie Estland (aber die Esten sind ja leider raus). Ich hab Hormone. Fängt an wie Fahrstuhlmusik, wird dann aber noch lauter. Irgendsoein Bong-Instrument klingt da ganz nett. Trommeln auf Bambusstangen, oder was könnte das sein? Insgesamt sehr düster (Bubi und Bühne). Und jetzt wieder langsamer? Verstehe ich nicht. Vielleicht muß man das Lied 10-12x gehört haben, bis es wirkt? Nein, 2x reicht, ich finds gut. Besser als vieles andere hier heute abend.

21. Ukraine
Ui, dunkelblaues Kostüm! Direkt gewagt! Wahrscheinlich hat wieder niemand die Ukrainer über den Farbcode informiert oder Rußland hat wieder alles zensiert. Ein Lied voller Schmerz und Trauer. Ja, den Schmerz bringt sie rüber. Jetzt wirds fahrstuhlmusikalisch-loungig. Aber dann jammert sie wieder. Angeblich enthalten Titel und Text keinerlei politische Botschaft, wenn sie das von der Vertreibung der Krimtataren durch die Russen im Jahr 1944 singt jammert. Aha. Naja, wenn die EBU das meint, dann soll Rußland das auch mal akzeptieren.
Wenn die Ukainerin gewinnt, nimmt Rußland dann nächstes Jahr nicht teil?

22. Malta
Schwarzes langes Glitzerkleid und der Hintergrundtanztyp tanzt Ausdruckstanz, bodennah. Lied so naja. Dafür viel Botox in der Sängerin (sieht ein bißchen aus wie Liz Hurley). Also im Gesicht. Im Bauch wohl eher ein Baby, heißt es. Darf das denn so spät noch auf die Bühne? Aber das wird bestimmt auch ein feines ESC-Baby. Ich hab langsam keine Lust mehr, es wird immer etwas beliebiger, was da passiert.

23. Georgien
Klingt nach Oasis. Immerhin etwas psychodelisch-bunter. Der eine sieht auch aus wie einer von Oasis. Zusammen mit der Bildsprache wirkt es zwar wie auf LSD, aber ist wenigstens was anderes als der ganze andere Einheitsbrei. Sehr bunt, sehr wild, fast schon Techno (jedenfalls das Licht). Fehlt eigentlich nur noch, daß er eine Gitarre zerschmettert und sich das Hemd vom Leibe reißt.

24. Österreich
Österreich singt auf französisch (durchgängig, das machen nicht mal die Franzosen), das ist mal außergewöhnlich. Klingt wie Vanessa Paradis. Ansonsten sehr auf rosa Disney-Prinzesschen gemacht (Sissi?), bloß bei den Haaren haben sie es dabei belassen und keine Frisur draus gemacht. Nun, immerhin lohnt sich da die Windmaschine, die auch großzügig zum Einsatz kommt. Cherche, cherche, papillon, tu es loin de ta maison. Das Lied kommt mit wenigen Worten aus, die dafür sehr oft wiederholt werden. Aber auf französisch klingt das ja immerhin ganz hübsch. Insgesamt sehr niedlich. Fox mags. Ich auch.

25. Großbritannien
Brüder auf der Bühne (allerdings nicht in echt). Einer singt, einer klampft. Viel schwarz. Der Klampfer singt auch. Ausgesprochen beliebiger Beitrag. Schnarch.

26. Armenien
Erst mal psychodelisches Hingehauche ins Mikro, dann wildes Arm- und Haargefuchtel - außerdem trägt die Tante einen Madonna-Gedächtnis-Glitzer-Turnanzug, wie es sonst nur Madonna täte. Und ein Superheldencape (aus Gardine). Windmaschinen! Feuer! Nebel! Komisches Gebrüll ins Mikro! (Ach nee, dafür brauchen wir kein Ausrufezeichen.) Naja, Hauptsache, das Drumrum lenkt vom Lied ab.

Geschafft. Pinkelpause!

* * *

Sodele, jetzt erst mal Pause. Mal gucken, was die Pausenmusik so bietet. Oh, Justin Timberlake. Hm. Na gut, wenn die meinen.

Fox ist für Australien und Italien.
Der Gatte will Georgien gewinnen sehen.
Ich bin für Holland, Zypern oder Lettland.

Die Abstimmung findet zwar wie gewohnt statt, die Punktevergabe ist aber anders. Diesmal gibts sowohl 12, 10, 8, 7, 6, 5... Punkte von der Jury eines jeden Landes als auch nochmal extra aus dem Zuschauervoting (bisher wurde das zusammengemischt). Verkündet werden dann aus jedem Land, wer die 12 Punkte gemäß Jury gewonnen hat.

Wenn alle Länder durch sind, kommen noch die Zuschauerpunkte dazu, die werden aber nur in Summe genannt und zu den bereits gesammelten Jurypunkten dazugezählt. Die Reihenfolge kann sich also im allerletzten Moment noch mal ändern.

Mal sehen, obs dadurch spannender wird. Ich befürchte ja, daß mehr Zeit für "what a wonderful show, it was amaaaaaazing!!!" draufgeht, die Zeit muß ja trotzdem rumgebracht werden. Andererseites werden wir wesentlich seltener (aka nicht mehr) hören "our ten points goes to..."

* * *

So, jetzt mal Punktevergabe in echt. die Frage aller Fragen ist ja: bekommt Deutschland von irgendwem 12 Punkte? (Vielleicht aus Japan, aber die spielen ja nicht mit.)

Als siebtes Land darf Georgien Punkte vortragen und Deutschland erhält seinen ersten Punkt.

Insgesamt gibt es überraschend viele Punkte für die Ukraine (für das Rumjammer-Lied). Und 12 Punkte werden doch überraschend breit gefächert verteilt. Nur Deutschland bekommt meistens keinen Punkt.

Nach der Hälfte der vergebenen Jury-Punkte führt Australien vor der Ukraine und Schweden. Högscht eigenartig.

Und jetzt ist unser Internet kaputt, ich krieg nen Föhn. ARGH!

12 Punkte aus Deutschland für Israel? Was haben die denn geraucht???

Nach dem Jury-Voting führt Australien (320 Punkte) vor Ukraine (211 Punkte) und Frankreich (148 Punkte). Wir liegen hinter Polen (7 Punkte), es blieb bei einem einzigen Punkt.

Jetzt noch das Publikumsvoting, ich bin gespannt, wie und ob sich das Ergebnis dadurch noch verändert.

10 Punkte für Deutschland, damit bleiben wir tatsächlich letzter. Das ist schade, denn es gab definitiv schlechtere Lieder heute abend.

Immerhin geht die Punktevergabe heute abend recht zügig.

Und wie in jedem Jahr sitze ich fassungslos vor dieser Punktevergabe. (Polen hat 229 Punkte, wie konnte das denn passieren? Österreich mit dem wirklichen hübschen Beitrag hat "nur" 151.)

* * *

Ukraine gewinnt mit 534 Punkten.
Australien wird zweiter mit 511 Punkten, Rußland wird dritter mit 491 Punkten (immerhin haben sie nicht gewonnen).

Deutschland - fast schon gewohnheitsmäßig - eher sehr weit hinten auf Platz 26 (mit 11 Punkten hinter Tschechien mit 41 Punkten und Großbritannien mit 62 Punkten).

Jetzt  noch mal das Siegerlied und gute Nacht.


Archiv: die früheren Jahre
2015

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