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bees Wohnzimmer

Donnerstag, März 14, 2013

Der Kindle und ich*

Ich habe mir einen (ein?)** Kindle zugelegt, also das Lesegerät für Elektrobücher von Amazon. Das Ding war neulich mal reduziert zu bekommen (60 statt 80 €, außerdem hatte ich noch einen Geschenkgutschein, so daß es mich an Eigenleistung nur rd. 5 € kostete), da habe ich zugegriffen. Geliebäugelt habe ich damit schon immer. Nun, jetzt ist es also da und ich habe mal so rumgetestet. An sich finde ich das Lesen darauf gar nicht so schlecht. Schade ist halt, daß man kein echtes Buch hat, das man sich danach in den Schrank stellen kann. Ja, ich lese Bücher meistens mehr als einmal, da lohnt sich das in den Schrank stellen noch.

Ich habe mir überlegt, daß so ein ebook-Gerät praktisch wäre, insbesondere wenn man wegfährt, weil man dann nicht - je nach Länge der Reise - 5 bis 15 Bücher einpacken muß (und ich rechne hier nur für mich), also jede Menge Gewicht und Platz spart. Praktischer Nebeneffekt: ich muß mich nicht entscheiden, welche Bücher ich mitnehme, sondern habe einfach alle ungelesenen dabei. Außerdem würde ich einen Kindle durchaus mit an den Strand, Pool, was auch immer nehmen, ein iPad eher nicht.

Wie ist das Ding denn nun so? Also:

- Es ist die einfachste Version des Kindles, d.h. es gibt kein Touchdisplay (und eben keine Beleuchtung), sondern man hantiert mit einem Cursorpad (oder wie das heißt), so wie früher beim Handy (die älteren werden sich erinnern: es gab vor den Smartphones noch was anders, etwas mechanischer wirkendes). Das ist im ersten Moment etwas ungewohnt, aber eigentlich nicht so tragisch. Sehr unpraktisch ist das allerdings, wenn man Text eingeben möchte. Aber ich habe mir eher seltenst mal Anmerkungen zu Büchern gemacht, da fange ich auf dem Kindle jetzt auch nicht damit an. Bei Fachbüchern wäre das evtl. eine Überlegung, aber die lese ich vermutlich nicht auf dem Gerät, sondern wieder in Papier. Grundsätzlich kann man ein Lesezeichen setzen, das ist dann ja nu Merkhilfe genug. Außerdem ist es schwarz-weiß. Das wirkt ebenfalls ungewohnt, wenn man das Deckblatt nicht in bunt, sondern in Abstufungen von grau sieht. Ist aber nebensächlich, wenn man keine Bilderbücher oder Comics liest, sondern primär Romane.

- Beleuchtung: Der Kindle ist nicht beleuchtet. Das finde ich ganz gut, ein echtes Buch leuchtet ja auch nicht im Dunkeln. Ich habe auch ein paar eBooks auf dem iPad gelesen (also mit beleuchtetem Bildschirm), aber das kostet extrem viel Akku und ich finde es anstrengend.

- Handhabung: Man braucht WLAN, wenn man nicht vom eigenen Computer aus die Bücher auf das Gerät schieben will (wie das geht, weiß ich allerdings gar nicht). Dafür kann man högscht einfach*** Bücher bei Amazon auf der Webseite kaufen und - gesetzt dem Fall, der Kindle ist eingeschaltet und hat WLAN-Empfang - sie eine Minute später tatsächlich auf dem Gerät lesen. Man kann auch direkt vom Kindle aus auf den Shop und seine Wunschliste zugreifen, aber dafür muß man das Cursorpad benutzen, das ist etwas umständlicher. Das WLAN will sich gleich beim ersten Einschalten einrichten und fragt nach den Zugangsdaten, das ist eigentlich ziemlich praktisch****. Danach kanns dann auch gleich losgehen. 

Ich stöbere aber lieber mithilfe des normalen Computers auf der Amazon-Seite, da kann man auch ganz einfach eine Leseprobe des favorisierten Buches aufs Gerät schicken und das oder die ersten Kapitel lesen. Dann kann man immer noch entscheiden, ob man das Buch wirklich kaufen (oder leihen, dazu unten mehr) möchte. Das finde ich ziemlich gut.

Man kann sog. Sammlungen anlegen, das macht das ganze übersichtlicher. Sammlungen sind quasi Ordner, in die man dann die Bücher oder Leseproben oder was auch immer reinsortieren kann, z.B. Krimis, Schmonzetten etc. Man kann auch ein Buch verschiedenen Sammlungen zuordnen und findet es dann in beiden.

Die Tasten, mit denen man rechts und links am Gerät vor- und zurückblättern kann, sind gut angebracht, leicht zu handhaben und eben auf beiden Seiten des Gerätes vorhanden. Somit ist egal, ob ich das Teil in der rechten oder der linken Hand halte. Auch sehr praktisch. Leicht ist es übrigens auch, das Gerät. Alternativ gibt es eine App fürs iPad (und vermutlich auch für diverse andere Gerätschaften), mit denen man auch ohne ein Kindlegerät Kindlebücher lesen kann. Da funktioniert auch ganz gut, nur die Leseproben, die Leihbücher und die Sammlungen gibts - zumindest auf der iPad-App - nicht. Je nun. Nicht ganz so schön. Aber wie gesagt, ganze Bücher auf dem beleuchteten iPad lesen finde ich ein bißchen anstrengender als auf dem unbeleuchteten Kindle.

Das Lesen als solches ist ganz angenehm. Die Bedienung ist relativ intuitiv möglich, das Handbuch habe ich trotzdem durchgelesen (größtenteils...). Das Display ist nicht ganz so kontrastreich, als wenn man ein echtes Buch liest mit weißem Hintergrund, aber es ist angenehm zu lesen.

- Zubehör: Das Gerät wird nur mit einem USB-Kabel geliefert. Damit kann man zum einen Dinge vom Computer auf das Gerät laden und zum anderen das Gerät selbst mit Strom versorgen (über den USB-Anschluß). Selbst während das Gerät lädt, kann man damit lesen. Ansonsten ist kein Zubehör dabei, auch kein Ladegerät für die Steckdose. Das kann man sich entweder für weitere 10 € bei Amazon bestellen oder man hat eins zu Hause von irgendeinem anderen Gerät. Wir haben mindestens eins (eher viele), also bestand kein Bedarf, ein weiteres zu besitzen. Selbst solche Mini-USB-Kabel hätten wir in mehrfacher Ausführung zur Hand gehabt.

- Displayschutz: Gibts nicht dazu, also ist nicht im Lieferumfang enthalten. Das Display wäre völlig ungeschützt, wenn man den Kindle einfach so in die Tasche steckt. Ich denke, das täte dem Teil eher nicht so gut, also habe ich mich umgeschaut und gleich den ersten Fehler begangen: statt einer Hülle habe ich ein 'Skin' bestellt - in der Annahme, das sei so eine Art Plastikkondom zum Drüberstülpen. Als das dann endlich ankam (Lieferzeit 3-4 Wochen - wtf???), war es nur ein simpler, sehr streng riechender Aufkleber für das Gerät. Sowas wollte ich nicht (außerdem fand ich das für einen Aufkleber recht viel Geld), also habe ich es retournieren wollen. Amazon wollte es aber nicht zurückhaben und hat mir einfach so mein Geld zurückerstattet. Auch gut. 

Dann habe ich mich wieder auf Amazon umgesehen (diesmal explizit nach Hüllen), aber irgendwie sagte mir nichts so recht zu. Entweder war ich nicht bereit, soviel Geld für ein Zubehörteil auszugeben (35 € für eine Lederhülle, das ist mehr als die Hälfte des Preises für das Gerät selbst) oder das, was ich für meine Preisvorstellung (max. rd. 20 €) hätte bekommen können, war eben billiger Plastikschrott. Ich habe mich jetzt mal auf Dawanda.de umgesehen und dort schnell etwas hübsches gefunden, nämlich eine Filzhülle mit Buchbinderbindung. Sowas will ich haben, eine Hülle, die das Display vor den anderen bösen spitzen Dingen in meiner Tasche schützt. Preislich ebenfalls in dem Rahmen, den ich bereit bin, für so etwas auszugeben. Jetzt muß ich mich nur noch für eine Farbe entscheiden. Rot? Hellgrau? Dunkelgrau? Mit Buchecken oder ohne? Das Leben ist hart.

- Bücherauswahl: Hm. Davon bin ich noch nicht soooo überzeugt. Auf englisch gibts ganz viel, aber englische Bücher zu lesen bereitet mir wahrlich keinen Genuß. Im Gegenteil, ich finde das (zu) anstrengend. Auf deutsch ist bei weitem nicht jedes Buch als Kindlefassung zu bekommen. Und wenn, dann kostet es fast genauso viel wie die Taschenbuchfassung (die ich mir immerhin ins Regal stellen kann!). Irgendwie ist für mich ein ebook kein so wertvoller Gegenstand wie ein richtiges Buch zum Anfassen, also will ich dafür auch weniger bezahlen. Gleichzeitig bin ich mir völlig bewußt, daß natürlich der Autor für seine geistige Leistung und der Verlag für Lektorat (schließlich soll sich das Buch gut lesen lassen und frei von Rechtschreibfehlern sein), Werbung, Vertrieb etc. auch Geld bekommen müssen (und Gewinn, Geld verdienen ist ja erlaubt). Beim ebook entfällt ja nur der Teil am Schluß, nämlich Druck (dafür entstehen Kosten, um ein Buch in die verschiedenen ebook-Formate zu bringen - einen einheitlichen Standard gibts dafür ja nicht), Lagerung und Auslieferung (grob gesagt). Da stehe ich mir aber wohl eher selber im Weg.

- Leihbücherei für den Kindle: Hm bis Hmpf. Grundsätzlich ist die Einrichtung natürlich super und das war einer der ausschlaggebenden Gründe, die mich das Gerät erwerben ließen. Auch wenn Voraussetzung fürs Ausleihen eine Prime-Mitgliedschaft ist, die 30 € pro Jahr kostet. Das sind 2,50 € monatlich, also verschmerzbar, insbesondere wenn ich davon ausgehe, mindestens 2,5 Bücher pro Monat zu leihen. Kostenlos (so die Werbung) ist das aber nicht. Außerdem darf man Ausgeliehenes unbegrenzt lange ausleihen, also nicht nur vier Wochen oder so. Was NICHT in der Beschreibung für Kindle und Leihbücherei steht: man kann nur ein Buch pro Monat ausleihen. EIN Buch. EINS! Erstes Hmpf. Für Vielleser eher nicht geeignet (nicht, daß ich momentan viel zum Lesen käme, aber ich würde halt gern). 

Naja, dachte ich mir dann, daß ich eben für den Urlaub im Juni erst mal jeden Monat ein Buch sammle, das sind insgesamt auch schon (Februar, März, April, Mai, Juni) fünf Bücher. Ich hatte mir auch schon überlegt, welche ich ausleihe, möglichst keins unter 200 Seiten (lieber mind. 400), das lohnt ja sonst nicht. Das erste war auch flugs ausgeliehen, ganz problemlos. Gelesen habe ich es natürlich noch nicht, will ich ja im Juni machen. Vor ein paar Tagen dann fiel mir auf, daß ja schon März und damit nächster Monat ist - ich folglich also das nächste Buch ausleihen darf. Schnell ausgesucht, auf Ausleihen geklickt - und die Ernüchterung erfolgte auf dem Fuße. Man darf nämlich auch nur ein Buch auf einmal (!) ausleihen. Zwei geht nicht, mehr natürlich auch nicht. Hallo??? Doppel-Hmpf. 

Das bedeutet, ich kann vorm Urlaub höchstens EIN Buch ausleihen, das dann im Urlaub lesen, zurückgeben und dann während des Urlaubs das nächste ausleihen (für manchen mag das reichen, für mich aber nicht - denn dann kann ich ja auch ein (in Zahlen: 1) richtiges Buch mitnehmen, nimmt auch nicht wesentlich mehr Platz weg). Gesetzt dem Fall, ich habe dort eine WLAN-Verbindung. Habe ich aber nicht, schließlich bin ich im Urlaub und wir fahren ja gern mal into the middle of Nowhere. (So auch dieses Jahr wieder.) Inzwischen bin ich tatsächlich der Überzeugung, daß man in ein bis zwei Wochen Internetabstinenz nichts wesentliches verpaßt (jaaaaaa... das hat eine Weile gedauert, gebe ich ja zu). Selbst wenn ich möglicherweise Internetzugang hätteeeee (was ich im Zweifel nicht habe; ja, liebe Kinder, das gibt es noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Deutschland, überraschend oft übrigens), muß das ja noch lange kein WLAN sein. Trippel-Hmpf.

Fazit: Das Lesen als solches ist ok, die Bedienung einfach und auch für technisch nicht so versierte wie mich recht schnell verständlich. Die Begleitumstände, insbesondere die Einschränkungen beim Leihsystem verderben mir aber etwas den Spaß an der Sache.

Nichtsdestoweniger werde ich das Gerät wohl behalten (ein paar günstige Schmonzetten habe ich erworben und das Leihbuch aus Februar muß ich jetzt auch schnell lesen), also schenkt mir ruhig weiterhin Amazon-Gutscheine. :-)


________________________

* Als Überschrift fiel mir als erstes ein: Dr. Kindle auf der Flucht. Aber dann komme ich wieder in die Wortspielhölle.

** Der oder das Kindle? Ich glaube, ich bleibe erstmal bei 'der'. (Genau wie ich beim Blog bei 'das' bleibe und jedesmal ein graues Haar mehr kriege, wenn jemand 'der Blog' (vgl. 'der Block') sagt.) Oder ich sage einfach 'das Gerät'.

*** Fast schon ZU einfach.

**** Blöd nur, wenn man aus Sicherheitsgründen sein WLAN mit einem MAC-Filter ausgestattet hat und erstmal jedes neue Gerät quasi freischalten muß (ist mir beim dritten Mal Zugangsdaten eingeben dann auch schon eingefallen, deswegen konnte ich danach zwei Tage lang die Zugangsdaten auswendig). Dazu muß man vom neuen Gerät aber erstmal die MAC-Adresse wissen - und beim Kindle mußte ich dazu erstmal den Einrichtungsprozeß abbrechen, das Handbuch (das schon drauf ist auf dem Gerät) suchen, sich die Bedienung des Gerätes aneignen, raussuchen, wo die MAC-Adresse zu finden ist, sich dahin durchlavieren, die Adresse finden - juchhe, fast geschafft - und dann beim Freischalten nur noch eben schnell nebenbei den Blackberry vom Mann aus der MAC-Liste löschen. Und zack! hat das Gerät auch schon WLAN.

2 Comments:

  • Danke für die ausführliche Rezension! Ich habe gerade mal auf unserer Bücherei-Webseite geschaut und mit Deiner Amazon Wunschliste verglichen. Dort gibt es Kate Morton's 'die fernen Stunden' als ebook auszuleihen. Sicher gibt es in Münchner Bibliotheken viel mehr Auswahl.

    Vielleicht wäre das was? Eine Büchereimitgliedschaft? Wenn Du das erfolgreich ausprobierst, kaufe ich mir vielleicht auch einen kindle :-)

    Ich sage übrigens 'der Blog'. So wie in 'Mein Haus, meine Straße, mein Blog!' *gg*

    By Anonymous ichbindiegute, at 14. März 2013 um 15:22  

  • Büchereimitgliedschaft haben wir, aber die Auswahl an ebooks hier in München ist gruselig. Die interessanten Titel sind immerimmerimmer verliehen (Vormerkung kostet 2 € pro Stück und wenn es dann verfügbar ist, habe ich keine Zeit), der Rest ist mir zu esoterisch...
    Beispiel gefällig? Grad verfügbar als ebook in der Münchner Bücherei: Das neue große Buch der Trennkost / 33 Sofortmaßnahmen gegen die Krise / Lass Dich nicht vereinnahmen / B.FIT in 30 Tagen / verschiedene 3 ??? / Die sieben Säulen des Glücks / verschiedene Fantasy-Titel...
    Und ziemlich genau NIX, was ich gern lesen würde. Ich schau immer wieder rein, aber es bessert sich nicht so richtig... Übrigens wäre das dann auch wieder nur lesbar mit der iPad-App.

    Ab und an bringt mir der werte Gatte was mit, wenn er hingeht, meistens Comics (wenn man mal in meine jährliche Bücherliste schaut...), neulich eine "Perle": Prinzessin Kate - Die neue Königin der Herzen. Grauenvoll geschrieben, aber ich habs trotzdem mal angefangen (Badewannenlektüre).

    Ich weiß übrigens nicht so recht, ob ich den Kindle nun empfehlen soll oder nicht. In der diesjährigen Bücherliste werde ich mal unterscheiden, was ich als ebook gelesen habe und was nicht. Mal sehen...

    By Blogger Sabine, at 14. März 2013 um 16:40  

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