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bees Wohnzimmer

Dienstag, Mai 25, 2010

Abgeblitzt

Cold Calls sind ja inzwischen nicht mehr so ganz legal. Und nichtsdestotrotz erhielt ich gerade einen Anruf mit unbekannter Nummer. Nun, es kann ja auch jemand sein, den man kennt (die Eltern vom Mann zum Beispiel haben keine Rufnummernübertragung), also bin ich drangegangen.

Es meldete sich ein Mann namens Steinhöfel oder so ähnlich.
Mann: Ja, Guten Tag, Frau H., schön, daß ich Sie erreiche.
ich (sprechen fällt dank der Mandelentzündung recht schwer): Guten Tag.
Mann: Eigentlich sollte Ihnen mein Name was sagen...
ich: Eigentlich nicht, aber helfen Sie mir ruhig auf die Sprünge. (Wer weiß...)
Mann: Ja, wir hatten in den letzten Wochen alle Berufstätigen in München angeschrieben (woher auch immer die diese Daten haben...) und Sie sind eine der wenigen, die sich noch nicht gemeldet haben.
ich (skeptisch): So? Ich kann mich an kein Schreiben erinnern.
Mann: Ja, es geht darum, daß wir Tipps geben zum Steuern sparen, das geht schießlich jeden etwas an (blabla, das übliche Gelaber und Geseiere und viele Allgemeinplätze).
ich (fange innerlich schon mal das breite Grinsen an :-D und unterbreche irgendwann seinen Redefluß): Sie wissen nicht zufällig, was ich beruflich mache, oder?
Mann (etwas überrascht): Äh, nein. (Er fängt sich wieder.) Aber vielleicht sind Sie ja selbstständig oder freiberuflich tätig, dann zahlen Sie ja Einkommensteuer...
ich (denke: wer tut das nicht? Wir zahlen schließlich alle Einkommensteuer...) zücke breit grinsend meinen Trumpf: Ich bin Steuerberater. (Das stimmt fast. Ich bin bloß immer noch nicht von der Kammer bestellt worden...)
Mann: Oh. Äh. Hm. Äh, ja. Dann ist unsere Beratung wohl überflüssig, oder?
ich (immer noch grinsend): Tja, sieht wohl so aus.


Ich hätte ihn gerne anders auflaufen lassen, aber dafür reichen meine Sprechfähigkeiten grad nicht. Außerdem hatte ich den guten Mann oder einen seiner Kollegen oder jemanden mit der gleichen Geschäftsidee bereits letztes Jahr während der Lernphase am Telefon und wußte daher, worauf er raus wollte. Und ich halte dieses Geschäftsgebahren für etwas unlauter (daher hier auch die ausführliche Erklärung).

Diese Leute verkaufen Lohnsteuerermäßigungsanträge. Daran ist ja noch alles ok. Das bedeutet, daß auf Lohnsteuerkarte arbeitende sich einen Freibetrag auf eben jener Lohnsteuerkarte eintragen lassen können. Voraussetzung ist, daß man genügend Werbungskosten oder andere steuermindernde Tatsachen glaubhaft machen kann. Die Folge ist dann, daß monatlich weniger Lohnsteuer vom Arbeitgeber einbehalten wird. Allerdings sind solche Dinge wie der Werbungskostenfreibetrag von 920 € und die üblichen absetzbaren Vorsorgebeträge (Kranken- und Rentenversicherung und so) schon in den Lohnsteuertabellen eingerechnet, man muß also höhere Beträge nachweisen können. Soweit, so gut.

Nur ist eben die nächste Konsequenz, daß die Leute dann auch eine Steuererklärung abgeben müssen. Wenn man sonst nur Einkünfte als Arbeitnehmer hat (und keine Lohnersatzleistungen wie Krankengeld, ALG, Mutterschaftsgeld oder so) dann muß man nämlich üblicherweise nicht, weil die Steuerschuld mit der Lohnsteuer, die ja schon monatlich gezahlt wurde, abgegolten ist. Man darf allerdings eine Steuererklärung abgeben (sinnvoll, wenn man Aussicht auf eine Steuererstattung hat).

Was ich jetzt für unlauter halte, ist nicht der Rat, sich einen Freibetrag eintragen zu lassen. Es muß jeder selbst wissen, ob er die Steuererstattung gern monatlich bereits mit der Lohnauszahlung haben möchte oder erst im folgenden Jahr. Wenn jemand hohe Werbungskosten hat (zB wg. eines weiten Arbeitsweges oder hoher Fortbildungskosten) ist der Antrag durchaus sinnvoll.

Unlauter ist meiner Ansicht, daß ersten Cold calls durchgeführt werden (d.h. einfach blind igendwo anrufen ohne die Rufnummer anzuzeigen) wahrscheinlich den meisten nicht bewußt ist, daß sie dann später eine Steuererklärung abgeben müssen. Und wenn dann die Mahnung vom Finanzamt kommt, werden die meisten irritiert bei den Leute anrufen, die beim Lohnsteuerermäßigungsantrag so behilflich waren. Und die streichen dann für die Steuererklärung ein dickes Honorar ein, obwohl es ansonsten vielleicht nicht mal nötig gewesen wäre, eine Steuererklärung abzugeben.

Versteht mich nicht falsch, ich rate selbstverständlich niemandem, keine Steuererklärung abzugeben oder keinen Ermäßigungsantrag zu stellen. Bei beidem bin auch ich gern behilflich und stelle dies auch in Rechnung. Nur wer diesen Antrag stellt, muß sich darüber im Klaren sein, daß er dann auch eine Steuererklärung abgeben muß, und daß man das vorher vielleicht mal durchrechnen sollte, ob es sich - unter Berücksichtigung der Steuerberatungskosten - überhaupt lohnt.

Wenn der nächstes Jahr wieder anruft, dann erzähl ich ihm was über das Telemediengesetz und die Bundesnetzagentur und wie die zu Cold calls stehen. Hihi. Da freu ich mich ja jetzt schon drauf. :-D

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